Borderline entgegenwirken

Was ist eine Borderline-Störung?

Diese Störung gehört zu den komplexen Persönlichkeitsstörungen. Menschen, die unter Borderline leiden, haben Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu kontrollieren. Sie sind außerdem von Spannungs- und Leerezuständen, Störungen ihres Selbsterlebens und extremen Stimmungsschwankungen betroffen. Bei Personen mit Borderline gerät die emotionale Stabilität sehr häufig aus dem Gleichgewicht. Das dominante Kennzeichen dieses Krankheitsbildes sind die extrem unangenehmen Spannungszustände, die zum Teil als unerträglich wahrgenommen werden. Betroffene entwickeln bestimmte Strategien, um diese Gefühlszustände zu verändern, wie etwa selbstverletzendes Verhalten. Sie fügen sich selbst beispielsweise Verletzungen zu, indem sie sich verbrennen oder sich mit Rasierklingen oder Messern in verschiedene Regionen ihrer Haut schneiden. Zu den weiteren Methoden, um Spannungszuständen abzubauen, gehören der Konsum von Drogen oder andere Verhaltensweisen, die gefährlich sind, wie etwa das Rasen mit dem Auto. Patienten mit Borderline wünschen sich einen Zustand, in dem sie Geborgenheit und Ruhe empfinden, und rufen in Anspannungssituationen diese Muster, die nur kurzfristig wirksam sind, ab.




Wie verläuft Borderline?

Verhaltensweisen, die für Personen mit Borderline typisch sind, bilden sich bereits in der Phase der Kindheit heraus. Da in dieser Lebensphase auch die Möglichkeit besteht, dass „normale“ Stadien der Entwicklung ein Bild, das diesem Krankheitsbild ähnelt, hervorrufen, diagnostizieren Ärzte und Psychologen dieses Syndrom häufig erst im Jugendalter (ab dem 14 Lebensjahr). Bei Betroffenen verläuft dieser Störung nicht gleich, sondern sehr unterschiedlich. Die Intensität deiner Problematik wird voraussichtlich abnehmen, umso älter du wirst. Viele Menschen mit Borderline sind im Erwachsenenalter einerseits im beruflichen Bereich und andererseits im Rahmen ihres Privatlebens psychisch stabiler. Während des 3. oder 4. Lebensjahrzehnts sind viele Betroffene so von Stabilität gekennzeichnet, dass Außenstehende die Störung kaum noch wahrnehmen. Der Verlauf der Erkrankung ist in den meisten Fällen chronisch. Patienten mit Borderline erleben eine anhaltende Instabilität in unterschiedlichen Lebensbereichen und verlieren oft phasenweise vollständig die Kontrolle bezüglich ihrer Gefühle. Der Krankheitsverlauf bei Borderline besitzt einen starken Zusammenhang mit einer Therapie, die angemessen ist. Eine Behandlung ist sowohl für dich als auch für die behandelnden Ärzte und Therapeuten nicht einfach. Die Gründe für die Problematik im Behandlungskontext sind selbstschädigendes Verhalten und vielfältige Schwierigkeiten bei zwischenmenschlichen Beziehungen. 

DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) bei Borderline

Die dialektische Verhaltenstherapie, auch Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), ist in der kognitiven Verhaltenstherapie verwurzelt. In den 1980er Jahren entwickelte Marsha M. Linehan, eine amerikanische Psychologin, die DBT, die auch Elemente von anderen Therapierichtungen und fernöstlichen Meditationstechniken umfasst. Die Psychologin änderte die Behandlungsform speziell für Patienten mit Borderline ab. Viele Studien beweisen speziell beim Krankheitsbild Borderline die Wirksamkeit. Die DBT beinhaltet zwar feste Strategien und Ziele, setzt jedoch grundlegend auf eine Behandlungsstruktur, die sowohl flexibel als auch anpassbar ist.

Wenn du deine Verhaltensweisen ändern möchtest, benötigst du Maßnahmen, die ziemlich tief greifen. Du musst deine Sichtweise auf einige Punkte in deinem Leben, beispielsweise im Hinblick auf soziale Beziehungen, hinterfragen. Auf diese Weise kannst du zuerst einmal dein fehlerhaftes Verhalten erkennen lernen und danach auch dein problematisches Verhalten verändern. Du musst erkennen, dass dein typisches Schwarz-weiß-Denken ein Teil deiner Erkrankung mit Borderline ist, das mit ungünstigen Auswirkungen im Rahmen deiner Umwelt in Verbindung steht, deshalb ist es vorteilhaft, diesen Punkt in deinem Leben zu verändern. Außerdem musst du lernen, Kritik auszuhalten und deine eigenen Gefühle zu erkennen, ohne unkontrolliert zu reagieren. Das Ziel ist, anderes Verhalten zu erlernen. Die DBT besteht aus 5 Modulen: Achtsamkeit, Stresstoleranz, bewusster Umgang mit Gefühlen, Selbstwert und zwischenmenschliche Fertigkeiten.




Achtsamkeit

Einen Teil der dialektischen Verhaltenstherapie bei Bordeline, der sehr wichtig ist, stellt die innere Achtsamkeit dar. Du kannst Achtsamkeit als einen Prozess ansehen, indem du deine eigene Aufmerksamkeit auf die gegenwärtige Situation richtest. Die innere Achtsamkeit bedeutet für dich, einen Weg zu bestreiten, deinen Verstand und deine Gefühle in eine Art Einklang zu bringen, außerdem wird dir so sowohl intuitives Verstehen als auch Wissen ermöglicht. Der Sinn, der hinter der inneren Achtsamkeit steht, ist, dir zu zeigen, wer du selbst bist. Im Zentrum stehen deine Gefühle, deine Gedanken und deine Handlungen. Du sollst nicht in eine Welt der Träume, in die Vergangenheit oder in die Zukunft flüchten. Personen mit der Diagnose Borderline sollen lernen, den Focus auf eine Sache zu richten, beispielsweise auf die Umgebung. Das Ziel der inneren Achtsamkeit ist, deine Sinne für deine Gefühle, Gedanken und Handlungen zu schärfen, ohne zu bewerten, zu erklären oder zu verändern. Auf diese Weise kannst du es trotz Borderline schaffen, deinen Verstand und deine Handlungen in Harmonie zu bringen. Wachstum geschieht häufig zuerst einmal, indem du etwas wahrnimmst, wie es in der aktuellen Situation gerade ist.


Borderline


Stresstoleranz

Mithilfe der Stresstoleranz sollst du lernen, Spannungen rasch zu reduzieren, damit du in sehr stressigen Situationen keine selbstschädigenden Handlungen einsetzt. In Hochstresssituationen ist es für dich wichtig, um Hilfe bitten zu können und du musst auch bereit sein, Hilfe anzunehmen. Du solltest in solchen Momenten auch Skills in deinem Repertoire haben, um der Problematik Borderline entgegenzuwirken. Mithilfe der Stresstoleranz-Skills kannst du dich auf zukünftige Krisen in einer ruhigen Zeit im Voraus vorbereiten. Für dich ist es sinnvoll, vorher darüber nachzudenken, was in Krisensituationen für dich hilfreich ist und wie du mögliche Krisen verhindern kannst. Für die meisten Menschen mit Borderline ist das Packen eines Notfallkoffers empfehlenswert. 
Die radikale Akzeptanz steht bei Patienten mit Borderline im Zentrum der Stresstoleranz. Für dich bedeutet das, einen Weg zu finden, damit du unangenehme Gefühle und Ereignisse besser ertragen kannst, wenn es dir nicht möglich ist, eine bestimmte Situation zu verändern. Wenn du in einen Zustand gerätst, in dem du nicht mehr die Möglichkeit eines Auswegs siehst und auch ein Kampf aussichtslos scheint, bleibt dir nichts anders übrig, als die Situation so hinzunehmen, wie sie in diesem Moment ist.

Bewusster Umgang mit Gefühlen

Patienten mit Borderline haben insbesondere bei diesem Aspekt Schwierigkeiten. Ihre Gefühle (positive sowie negative, angenehme und unangenehme) sind den Betroffenen entweder zu intensiv oder zu lang anhaltend. Damit du in solchen Situationen adäquat reagieren kannst, musst du wissen, dass du die Intensität deiner Gefühle steuern kannst. Häufig handeln Personen mit Borderline sehr impulsiv, was allerdings langfristig mit Konsequenzen und Probleme in Verbindung steht. 
Für dich ist es wichtig, verstehen zu lernen, dass du ein Gefühl hast und du nicht dieses Gefühl bist. Für dich bedeutet das, dass du in der Lage bist, zu handeln. Du entscheidest, ob du deinem Gefühl nachgibst oder dem Handlungsimpuls folgst. Manchmal ist es für dich erforderlich, ein Gefühl zuerst abzuschwächen, damit du auf eine bestimmte Situation angemessen reagieren kannst.




Selbstwert

Patienten mit Borderline beschäftigen sich im Rahmen des Moduls Selbstwert mit der Stärkung des Selbstvertrauens, der Selbstakzeptanz und des Selbstwerts. In diesem Rahmen sollst du lernen, liebevoll mir dir selbst umzugehen sowie zumindest eine Form von „Waffenstillstand“ mit dir selbst zu erzielen. Für dich spielen Selbstkontrolle, Selbstregulation und Fairness dir selbst gegenüber eine wichtige Rolle. Im Kontext dieses Moduls bei Menschen mit Borderline sollst du dir die positiven Aspekte deines Lebens und deiner selbst bewusst machen und nicht ausschließlich einen negativen Blickwinkel auf deine eigene Persönlichkeit und die Dinge haben.

Zwischenmenschliche Fertigkeiten

Im Modul der zwischenmenschlichen Fertigkeiten bei Patienten mit Borderline steht vor allem die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse im Zentrum. Das Ziel ist, dass du deine Bedürfnisse in einer angemessenen Form kommunizieren und durchsetzen kannst. Eine Aufgabe bei diesem Modul ist, dir bewusst zu machen, welche Ziele du erreichen möchtest. Hier geht es für dich auch darum, herauszufinden, wann es wichtig ist, an deiner eigenen Meinung festzuhalten und in welchen Fällen ein Nachgeben sinnvoller ist. Im Kontext dieses Moduls ist ein Ziel für dich, trotz Borderline Beziehungen zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Du sollst lernen, Vertrauen in dich selbst zu haben und sowohl dich selbst als auch andere zu respektieren.

Hier finden Sie interessante Artikel über Depression, Panik, Angst, Panikstörung

Teilen...