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Zwänge

Zwänge erkennen und besiegen:

Dein Weg in ein zwangfreies, glückliches Leben!

ZwängeDer Grat ist schmal: Wann sprechen wir von Ticks und wann gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass Zwänge das alltägliche Leben eines Menschen beherrschen? Der Übergang ist fließend. Wenn über die Jahre vereinzelte Vorsichtsmaßnahmen ausufern und in einen Kontrollzwang münden, dann kann man von einer ernsthaften psychischen Erkrankung sprechen. Vom stundenlangen Händewaschen bis hin zum zigmaligen Überprüfen, ob der Herd nun wirklich ausgeschaltet ist oder nicht: Wenn du immer wieder zwanghaft die gleichen Rituale durchführst und dies dein Leben bestimmt, dann ist es höchste Zeit, etwas zu tun. Unterschieden wird im Allgemeinen zwischen Zwangshandlungen und Zwangsgedanken, die beide bekämpft werden müssen. In diesem Artikel dreht sich alles um das Thema Zwänge. Ursachen, Symptome und Lösungsansätze werden im Folgenden detailliert beschrieben, damit du wieder zwanglos glücklich werden kannst!

Jeder kennt den Spruch „Der/Die tickt doch nicht mehr ganz richtig!“ Vielleicht hast du diesen Satz in Bezug auf deine Person auch schon das eine oder andere Mal zu hören bekommen. Vielen Betroffenen fällt es oft nicht leicht, zwischen einfachen Ticks und krankhaften Zwängen zu unterscheiden. Um diese Differenzierung besser nachvollziehen zu können, greifen wir zunächst zwei prominente Beispiele auf, von denen du möglicherweise schon gehört hast. Wusstest du eigentlich, dass Tennisspieler häufig die irrwitzigsten Ticks haben? Rafael Nadal ist der Vorreiter auf diesem Gebiet. Der spanische Weltklassespieler berührt vor jedem einzelnen Aufschlag in immer exakt der gleichen Reihenfolge Ohren, Nase, Schultern und Hose. Zudem müssen seine zwei Wasserflaschen grundsätzlich mit dem Etikett in die gleiche Richtung ausgerichtet sein. Sind das echte Zwänge?

Zugegeben: In den Ohren vieler Menschen klingt es zunächst einmal verrückt und zwanghaft. Doch es gibt einen Unterschied: Außerhalb des Platzes ist „Rafa“ der normalste und unkomplizierteste Kerl der Welt. All diese Dinge helfen ihm während eines Matches lediglich bei der Konzentration. Oftmals wird dieses Verhalten auch mit Aberglaube verwechselt. In einem Interview erklärte Nadal jedoch, dass es nichts damit zu tun habe: „Wenn das Aberglaube wäre, dann würde ich das alles doch nicht immer gleich machen, egal, ob ich gewinne oder verliere. Es ist mein Weg, um mich in einem Spiel zu positionieren, die Dinge um mich herum so zu ordnen, wie ich meinen Kopf gern sortiert hätte.“

Natürlich laufen diese Muster auch bei Nadal längst im Unterbewusstsein ab, doch er kann damit gut leben, weil er weiß, dass ihm dieses Verhalten gut tut beziehungsweise sogar hilft. In diesem Fall wären Zwänge also das falsche Wort, Rituale bringt es besser auf den Punkt.

Der feine Unterschied: Harmlose Rituale oder gefährliche Zwänge?

Ein Gegenbeispiel gefällig? Kennst du den Filmklassiker „Besser geht’s nicht“ aus dem Jahr 1997 mit Jack Nicholson in der Hauptrolle? Der US-Schauspieler verkörpert in diesem Streifen einen Schriftsteller, der unter Zwangsstörungen leidet. Dieses negative Wort („leiden“) sagt schon einiges aus, denn die Zwänge machen nicht nur Melvin das Leben zur Hölle, sondern auch seinen Mitmenschen. Melvin würde niemals Pflasterfugen auf der Straße betreten, benutzt zum Händewaschen immer ein frisches Stück Seife und nimmt seine Mahlzeit im Restaurant nur mit seinem selbst mitgebrachten Plastikbesteck zu. Hier gibt es keinen Zweifel: Es liegen manische Zwänge vor. Aus Angst isoliert er sich komplett, beleidigt andere Menschen und wird von diesen dementsprechend gemieden. Auch wenn es sich bei „Besser geht’s nicht“ um eine geniale Komödie handelt, wird deutlich, welch heftige Konsequenzen Zwänge mit sich bringen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass nicht jedes harmlose Ritual therapiert werden muss. Wenn du an einem Freitag den 13. ein gewisses Unwohlsein verspürst oder vor dem Verlassen des Hauses noch einmal sichergehen möchtest, ob auch alle Fenster geschlossen sind, dann ist dies völlig normal. Sobald du aber Dinge systematisch wiederholen oder denken musst, obwohl du weißt, dass es keinen Sinn ergibt, sollten die Alarmglocken angehen. Früher war hier auch von einer Zwangsneurose die Rede – ein zwar veralteter, aber dennoch korrekter Begriff. Falsch wäre es hingegen, das Thema Zwänge mit einer Psychose in Verbindung zu setzen, da Letztere per Definition voraussetzt, den Bezug zur Realität verloren zu haben. Dies ist bei Zwangsneurotikern nicht der Fall, da sie ja wissen, dass sie sich irrational verhalten.

Woher habe ich das nur? Zwänge und ihre Ursachen!

Eine Zwangsstörung (auch unter dem Namen OCD-Krankheit bekannt) ist nicht zu unterschätzen, denn es handelt sich um eine schwere psychische Störung, unter der übrigens häufiger Männer als Frauen leiden. Doch woher kommt eigentlich dieser Druck, immer wieder die gleichen Handlungen durchführen zu müssen? Warum wäschst du dir immer wieder die Hände oder zählst Gegenstände, obwohl es dich kein Stück voranbringt?

Die Ursachen für Zwänge können unterschiedlichster Natur sein. Auch wenn noch nicht endgültig geklärt ist, wie diese Form der Angststörungen entstehen, gehen Forscher davon aus, dass häufig erbliche Vorbelastungen vorliegen. Dies alleine reicht jedoch nicht aus, um im weiteren Verlauf des Lebens Zwänge aufzubauen. Hier müssen andere Faktoren mitspielen, etwa Kindheitserfahrungen. Vielleicht wurdest in jungen Jahren mit Erwartungen konfrontiert, denen du überhaupt nicht gerecht werden konntest. Wurden dir beispielsweise Fehlleistungen (etwa in der Schule) regelmäßig übel genommen, kann dies dazu führen, dass du im späteren Leben mit Hilfe von überzogenen Ritualen und Regeln (Zwänge) für Sicherheit und Stabilität sorgen möchtest.

Zwänge, um Sicherheit zurückzugewinnen!

Darum geht es also: Sicherheit! Lebenskrisen oder belastende Erfahrungen in der Kindheit können dazu führen, dass der Sicherheitsaspekt die Oberhand gewinnt und sich so Zwänge bilden. Um deine äußere Unsicherheit auszugleichen, versuchst du, dir eine innere Struktur aufzubauen. Natürlich spielen auch Umwelteinflüsse eine zentrale Rolle. Wer von den Eltern lernt, dass man bedrohlich wirkende Situationen grundsätzlich meiden sollte, könnte diese Form der Verunsicherung bis ins hohe Alter mitschleppen. Im umgekehrten Fall könnten vernachlässigte Kinder später Angststörungen verspüren. Zwänge oder wiederkehrende Handlungen sind auch immer eine Form der Ablenkung.

Zu den Ursachen in Sachen Zwänge zählen auch neurologische Erkenntnisse. Es gilt als sicher, dass bei Menschen, die unter Zwangsstörungen leiden, der Frontallappen des Gehirns überaktiv ist. Von diesem werden auch die für die motorischen Abläufe zuständigen Hirnstrukturen (Basalganglien) kontrolliert. Sind diese Basalganglien aufgrund von Tumoren oder anderweitigen Hirnschäden geschädigt, weisen diese Patienten nicht selten ein zwanghaftes Verhalten auf.

Wie äußern sich Zwänge?

Geht es um die Symptome in Bezug auf Zwänge, erinnern wir wieder an den eingangs erwähnten Filmklassiker mit Jack Nicholson. Wenn jemand auf der Straße herumtänzelt, weil er bestimmte Fugen nicht betreten möchte, deutet das ebenso auf eine Erkrankung hin wie ein Mensch, der im Lokal sein eigenes Besteck hervorkramt. Auch wenn Betroffene sich immer mehr isolieren und versuchen, die krankhaften Rituale vor der Öffentlichkeit zu verbergen, gelingt ihnen das nicht immer. Doch damit wäre die Frage noch nicht beantwortet, wie du ein etwaiges psychisches Problem selbst diagnostizieren kannst. Möchtest du also feststellen, ob du Ticks oder Zwänge hast, prüfe zunächst, wie rational dein Verhalten ist. Ein konkretes Beispiel: Kurz nach dem Kochen musst du deine Wohnung verlassen.

Es ist völlig nachvollziehbar, wenn du vor dem Rausgehen noch einen Blick in die Küche wirfst, ob du den Herd auch wirklich ausgeschaltet hast. Hast du diesen aber an besagtem Tag noch nicht einmal benutzt, ergibt es auch keinen Sinn, einen Check durchzuführen. Es gibt eine Vielzahl von Symptomen, da es auch verschiedene Formen der Zwänge gibt (siehe nächstes Kapitel) – hier einige Beispiele für Symptome:

  • Treppenstufen zählen
  • Bestimmte Linien entlanggehen
  • Ständiges Überprüfen des Herdes
  • Dauernde Gepäckkontrollen vor dem Urlaub
  • täglich mehrfaches auf Holz klopfen, um das Glück zu erzwingen
  • Mehrfaches Händewaschen
  • Lesen aller Autokennzeichen oder Werbebanner am Straßenrand
  • Gegenstände symmetrisch ordnen
  • gewisse Orte grundsätzlich meiden, umgehen oder umfahren

Die Liste könnte schier unendlich fortgesetzt werden, doch eines lässt sich festhalten. Ein Mensch, dem Zwänge fremd sind, der checkt alle möglichen „Gefahren“ einmal und sich im Anschluss sicher, dass alles in Ordnung ist. Eine unter Angststörungen leidende Person hingegen prüft mehrmals am Tag, die Unsicherheit jedoch bleibt.

Zwangshandlungen und Zwangsgedanken: Entweder – oder?

Grundsätzlich unterscheidet man beim Thema Zwänge, wie eingangs erwähnt, zwischen Zwangshandlungen und Zwangsgedanken. Es ist allerdings nicht ungewöhnlich, wenn beide Formen gemeinsam auftreten und Einfluss auf das Leben nehmen. Beide Varianten sorgen für eine starke innere Anspannung und letztlich eine tiefgreifende Angst. Ob bei einem entweder die Handlungen oder die Gedanken stärker ausgeprägt sind, macht in Bezug auf die Wahrnehmung keinen Unterschied. Jeder Patient ist sich darüber im Klaren, ein irrationales Verhalten an den Tag zu legen. Die Folge: absolute Isolation.

Was sind Zwangsgedanken und Zwangshandlungen?

Zwangsgedanken äußern sich grundsätzlich in Form von aufdringlichen Vorstellungen oder Impulsen und können sexuelle oder gewalttätige Inhalte zum Vorschein bringen. Oft drehen sie sich auch gar nicht um die eigene Person. Eine Mutter könnte beispielsweise die Angst entwickeln, ihr Kind mit einem Messer verletzen oder gar töten zu können. Sie sehen immer wieder aufs Neue eine nicht reale Gefahr und sind davon überzeugt, etwas dagegen unternehmen zu müssen. Da in diesem Fall die Mutter jedoch nicht in der Lage dazu sein wird, eine Entscheidung zu treffen, entwickelt sie einen Grübelzwang, der diese Form der Zwänge weiter bestärkt. Hieraus ergibt sich unter Umständen eine Zwangshandlung.

Zu letzterem Bereich der Zwänge zählen verschiedene Typen: Wer unter Wasch- und Säuberungszwängen leidet, hat beispielsweise Angst vor Fäkalien, Schmutz, Chemikalien, Krankheitskeimen (Bakterien und Viren) und Geschlechtskrankheiten. Kontrollzwänge (Beispiel: ständiges Kontrollieren des Herds), Ordnungszwänge (symmetrische Anordnung von Gegenständen), Wiederholungszwänge (Zählen von Gegenständen) oder eine übertriebene Sammelleidenschaft (Messies) fallen auch in diese Kategorie.

Was tun bei Zwangsgedanken und Zwangshandlungen?

Leidest du unter Zwangsgedanken, solltest du dringend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Nur so lernst du, die vermeintlichen Gefahren objektiver zu bewerten. Es besteht nämlich ein großer Unterschied zwischen den Gedanken und dem Handeln. Wenn du Angst hast, in einem Supermarkt unabsichtlich einen Schaden anzurichten, dann ist es nur in deinem Kopf passiert. An einen Mord zu denken, heißt nicht, einen Mord begangen zu haben.

Natürlich gibt es auch Methoden der Selbsthilfe, die Zwänge zumindest kurzfristig eindämmen können. Grundsätzlich gilt, so absurd es auch klingen mag, dass du die Gedanken nicht unterdrücken, sondern zulassen solltest – und zwar bis der schlimmste Fall (in Gedanken) wohlgemerkt eintritt. Wehre dich nicht dagegen, denn bei Verdrängung werden diese schlimmen Gedanken beim nächsten Mal nur noch extremer. Ein Vorteil bei dieser Zwänge-Form ist, dass die Befürchtungen deinen Charakter nicht beeinflussen können. Sei dir dieser Stärke bewusst und vertraue darauf, dass du die Gedanken niemals in die Tat umsetzen wirst – eben weil du so bist, wie du bist.

Falls sich Zwänge bei dir vor allem in Handlungen widerspiegeln, empfehlen Experten in der Regel eine kognitive Verhaltenstherapie inklusive von so genannten Expositionsübungen. Du wirst mit genau dem Reiz konfrontiert, der deine Zwänge verursacht. Genau diesem Reiz darfst du jedoch nicht nachgeben. Konkretes Beispiel, falls du unter Ordnungszwängen leidest: Du verbreitest in einem deiner Zimmer ein absolutes Chaos – solange bis du eines Tages nicht mehr den Drang verspürst, für Ordnung zu sorgen. Neben dieser Therapieform solltest du dich auch mit Stressabbau-Methoden beschäftigen, um Zwänge aus deinem Leben zu verbannen.

Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung tragen zur Heilung bei. In Rücksprache mit deinem Arzt wären möglicherweise (je nach Krankheitsgrad) auch Medikamente zur Unterstützung denkbar. Häufig werden in Bezug auf Zwänge selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verschrieben. Wie für Angststörungen typisch, können diese das Problem aber nur für einen bestimmten Zeitraum lindern, jedoch nicht lösen.

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