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Platzangst oder Raumangst

Wie entsteht Platzangst?

Die Wissenschaft definiert Platzangst oder auch Raumangst als Angst vor beengenden Situationen oder Orten, als auch vor weiten Flächen und Menschenmengen.

Es gibt mehrere Faktoren die bei dieser Form der Angststörung als Ursache in Frage kommen. Oft ist es jedoch das Zusammenspiel mehrerer solcher Faktoren welche die Platzangst entstehen lässt. Es können schlimme oder belastende Erfahrungen sein die ein Mensch im Laufe seines Lebens gemacht hat. Beispielsweise der Verlust eines nahe stehenden Menschen durch Trennung oder gar Tod. Auch Unfälle oder Phasen schwerer Krankheit können Menschen psychisch schwer und dauerhaft belasten. Dabei kann es sogar sein das sich dies nur unterbewusst manifestiert und vom Betroffenen gar nicht direkt wahrgenommen wird.

Manchmal haben Menschen in ihrer Entwicklungsphase nicht gelernt mit Konfliktsituationen oder Schwierigkeiten umzugehen oder hatten gar ängstliche Vorbilder. Belastende und traumatische Kindheitserfahrungen wie beispielsweise das Eingesperrt werden in dunklen, engen Räumen können der Platzangst zugrunde liegen. Auch bestimmte genetische Veranlagungen können die Entstehung begünstigen. Eine Studienreihe mit Zwillingen hat gezeigt, dass diese Erbanlagen besitzen welche die Entstehung von Platzangst begünstigen können.

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Platzangst, Klaustrophobie, Agoraphobie und wie sie sich äußern?

Man unterscheidet zwei Formen von Platzangst. Zum einen die Klaustrophobie/ Raumangst. Dies ist die Angst vor beengenden Räumen und Situationen wie beispielsweise Fahrstühlen oder verschlossenen Räumen. Eine medizinische Untersuchung im MRT oder CT, ein Solarium Besuch oder das besteigen eines Flugzeugs können zu einer großen Herausforderung bis hin zur Unmöglichkeit für Sie werden. Das hängt ganz von der Intensität der Raumangst ab.

Der Angstzustand steigert sich immer weiter und es kommt zur Panikattacke. Weitere Symptome dieser Angststörung sind zittern, schwitzen, Schwindel, Herzrasen, ein Unwirklichkeitsgefühl, ein trockener Mund, Atemnot, Übelkeit bis hin zu Erbrechen und ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Extremitäten. Sie bekommen zudem auch noch oft Angst davor die Kontrolle zu verlieren oder vielleicht ohnmächtig zu werden.

Die Agoraphobie/ Platzangst bezeichnet die Furcht vor weiten Flächen, Situationen, Menschenmengen und Ansammlungen. Die betroffenen Menschen fürchten sich davor das dort etwas passieren könnte. Sie haben Angst dort alleine zu sein, dass ihnen Niemand hilft oder sie nicht fliehen können. Auch hier treten dieselben Symptome wie bei der Klaustrophobie auf, es kommt zur Panikattacken und weiteren Ängsten. Bei beiden Formen ist für die Person das Verlassen der entsprechenden Situation der einzige Ausweg und damit tritt auch sofortige Besserung auf und die Panikattacke schwindet.

Wieso hat man Platzangst?

In vielen Fällen gehen dem Auftreten von Raumangst und Platzangst schon wochen-, monate- oder sogar jahrelange Phasen enormer psychischer Belastung voraus. Familiär oder beruflich fühlen Sie sich ausgeliefert und ein Gefühl des Gefangenseins stellt sich ein. Ein Schlüsselerlebnis bringt die Platzangst dann letztendlich zum Ausbruch. Sie betreten einen engen Raum oder eine Menschenmenge und auf einmal ist alles anders. Sie fühlen sich unwohl, sind nervös, schwitzen und ihr Herz rast und schlimmsten falls tritt eine Panikattacke ein. Diese Symptome machen Ihnen Angst und Sie verstehen die Situation nicht. Schließlich war es doch vorher nie so. Sie sind verunsichert und werden immer angespannter.

Oft entsteht der Trugschluss das etwas mit ihrem Körper nicht stimmt. Wenn Sie der Situation entkommen sind fühlen Sie sich erleichtert. Jetzt fragen Sie sich was das wohl war? Sie denken viel darüber nach und vertrauen ihrem Körper nicht mehr. Sie befürchten, dass Ihnen das wieder passieren könnte. Ihr Kopf verknüpft nun die Situation mit dem Gefühl des Unwohlseins. Enge Räume bedeuten Gefahr. Ihr Kopf hat nun gelernt das enge Räume oder weite Flächen/ Menschenmengen die körperlichen Symptome der Platzangst mit sich bringen und so baut sich die Platzangst weiter auf. Wenn Sie die beängstigenden Situationen nun meiden verstärkt sich die Platzangst immer weiter und die Befürchtung, dass diese wieder kommt verstärkt die Symptome der Platzangst erst noch. Lässt sie sogar erst entstehen. Der Teufelskreis beginnt und die Raumangst/Platzangst wird chronisch.

Wie bekämpft man nun Platzangst?

Platzangst ist behandelbar

Wenn man unter Platzangst, auch Agoraphobie genannt, leidet, muss man sich nicht automatisch in sein Schicksal ergeben. Es handelt sich zwar um eine ernsthafte Erkrankung, die zu einer schweren Beeinträchtigung der Lebensqualität führt, trotzdem ist sie heute gut zu behandeln und sogar heilbar.

Das Wichtigste ist erst einmal sich seine Platzangst, sein Problem einzugestehen und nicht einfach nur die angstauslösenden Situationen zu meiden. Sie brauchen sich auch nicht zu schämen, denn Raumangst/ Platzangst ist eine der häufigsten Angststörungen und es gibt viele Menschen die unter Platzangst leiden. Das Ausmaß der Erkrankung kann nur ein Arzt einschätzen. Deshalb ist eine Therapie in der Regel unbedingt notwendig. Der Therapeut kann dann mit dem Betroffenen zusammen mögliche Ursachen ergründen und Bewältigungsstrategien erarbeiten, wie einer Konfrontationstherapie. In manchen Fällen werden zusätzlich angstlösende und/ oder stimmungsaufhellende Medikamente verabreicht.

Auf jeden Fall ist es sehr wichtig sich seiner Platzangst zu stellen und sich nicht von ihr beherrschen zu lassen. Auch bestimmte Entspannungskurse wie die progressive Muskelentspannung (PME), Tai Chi und Qui gong werden zu Beginn einer Therapie oft begleitend eingesetzt. Diese Art der Therapie räumen Ängste von einer eventuell entstandenen Grundanspannung, die durch die ständige Erwartungshaltung in Bezug auf die Platzangst ausgelöst wird.

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Was tun bei plötzlicher Platzangst?

Es gibt viele verschiedene Methoden wie Sie konkrete Angst- oder sogar Paniksituationen gut überstehen können. Das bewusste zurückholen ihrer Aufmerksamkeit ins Jetzt ist beispielsweise extrem hilfreich. Dazu können Sie Personen, Autos, Handtaschen oder was auch immer Ihnen ins Auge fällt zählen.

Fixieren Sie einen bestimmten Punkt den Sie in diesem Moment als positiv oder nicht ganz so schlimm erachten. Konzentrieren sie sich auf Ihn. Trinken sie einen Schluck oder essen sie einen Bissen und achten dabei explizit auf den Geschmack in allen seinen Nuancen. Wie fühlt sich das Gegessene oder Getrunkene im Mund, auf der Zunge, den Lippen an? Ist es kalt, warm, fest, krümelig oder breiig? Sie können auch Geräusche in die Stille verfolgen. Suchen Sie sich ein Geräusch aus, zum Beispiel ein vorbeifahrendes Auto und verfolgen sein Geräusch bis es nicht mehr da ist. Nun das nächste. Sie können auch mal hin fühlen wie sich Ihre Kleidung auf der Haut oder der Wind im Gesicht anfühlt. Vor allem aber atmen sie ruhig und langsam. Die Entspannung wird sich einstellen. Etwas kaltes Wasser im Gesicht oder auf den Händen kann auch hilfreich sein.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Zur Behandlung von Platzangst stehen heute mehrere Therapieverfahren zur Verfügung.
Zunächst sollten aber ausführliche therapeutische Gespräche und medizinische Untersuchungen durchgeführt werden, um zum einen körperliche Ursachen auszuschließen, zum anderen die Schwere der Erkrankung zu festzustellen.
Gerade bei Platzangst ist eine exakte Diagnostik von entscheidender Bedeutung, um die richtige Behandlung zu wählen.
Zur medikamentösen Behandlung der Platzangst sind Antidepressiva kurzfristig das Mittel der richtigen Wahl. Im Gegensatz zu angstlösenden oder stark beruhigenden Medikamenten besteht hierbei nicht die Gefahr einer Abhängigkeit. Da Medikamente jedoch nur die Symptome, nicht die Ursache bekämpfen, sind sie nicht als Dauerlösung geeignet. Um eine Agoraphobie nachhaltig zu behandeln, braucht es eine längerfristige Psychotherapie.
Hier unterscheidet man zwischen der Verhaltenstherapie(wie die Konfrontationstherapie) und der Psychodynamischen Therapie. Beide Formen sind geeignet, eine Platzangst wirkungsvoll zu behandeln. Die richtige Therapieform hängt vom individuellen Zustand des Patienten ab.

Die Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist eine kognitive Therapieform und wird auch häufig als Konfrontationstherapie bezeichnet. Der Patient wird dabei direkt mit seiner Platzangst konfrontiert. Unter kontinuierlicher therapeutischer Begleitung begegnet er seinen angstauslösenden Situationen. Durch regelmäßige Konfrontation lernt er Schritt für Schritt, sich diesen Situationen auszusetzen und sie auch auszuhalten. Lässt sich der Patient auf diese Therapieform ein, wird er schon nach kurzer Zeit feststellen, dass die Platzangst nachlässt, wenn er sich ihr stellt. Er realisiert, dass extreme Befürchtungen, z.B. an einer Panikattacke sterben zu können, der Wirklichkeit nicht standhalten. Er wird sicherer im Umgang mit seiner Platzangst, bis sie nach einer individuellen Behandlungszeit während der Konfrontationstherapie komplett verschwindet. 

Die Psychodynamische Therapie

In der Psychodynamischen Therapie lernt der Patient, die Konflikte zu erkennen, die zu seiner Angststörung geführt haben. Dabei kann es sich um lange zurückliegende Konflikte handeln, die überhaupt nicht mehr in seinem Bewusstsein präsent sind.
Durch die Identifizierung dieser Konflikte gelangen sie wieder in den Fokus der Betrachtung und können entsprechend analysiert werden. Der Patient lernt zu verstehen, dass seine Platzangst durch teilweise sehr frühe Beziehungen und Konflikte geprägt ist.
Er begreift, dass sie nicht nur der Grund für seine Platzangst sind, sondern auch seine aktuellen Beziehungen prägen. 
Erst wenn er dies realisiert und verstanden hat, kann seine Platzangst mittels der Beziehung zum Psychotherapeuten wirkungsvoll bearbeitet werden.
Dadurch, dass die Angstfaktoren sehr tief im Unterbewusstsein des Patienten vergraben liegen, kann es eine relativ lange Zeit beanspruchen, sie wieder ans Tageslicht zu holen.

Was also tun wenn man eine Platzangst feststellt wird?

Angst ist eigentlich eine gute Sache. Sie warnt Sie vor Gefahren und macht Sie in gefahrvollen Situationen aufmerksamer. Doch wenn die Angst bzw. Platzangst selbst zum Problem wird und anfängt das Leben negativ zu beeinflussen dann sollten Sie dringend etwas tun. Die Angst kann Sie einschränken und isolieren. Sie beraubt Sie ihrer Möglichkeiten wenn sie bestimmte Situationen meiden oder denken sie nicht auszuhalten zu können.

Sprechen Sie mit einem Arzt oder Psychologen darüber. Denn das Gute ist, Sie können ihre Platzangst überwinden. Stellen sie sich ihrer Angst. Bei einer Verhaltenstherapie kann diese dann auf ein gesundes Normalmaß zurückgeführt werden. Ihr Gehirn muss wieder lernen welches Maß gesund und angebracht ist und das geht nur wenn Sie sich in solche Situationen begeben und positive Erfahrungen sammeln. Mit den richtigen Strategien findet dann erneut ein Lernprozess statt. Eine analytische Therapie oder Gesprächstherapie kann Ihnen ebenfalls helfen die Ursachen Ihrer Ängste zu ergründen und zu verarbeiten. Doch eins sollten Sie wissen, die Platzangst wird nicht über Nacht verschwinden. Sie hat sich über einen langen Zeitraum aufgebaut, auch wenn Ihnen das nicht bewusst ist. Also sollten sie sich keinen Stress machen und der Sache etwas Zeit geben. Langfristig wird sich der Erfolg einstellen.

Ausblick

Zur effektiven und schnellen Behandlung der Platzangst ist die kognitive Verhaltenstherapie wahrscheinlich eher geeignet. Durch die schrittweise Heranführung an angstauslösende Situationen gelingt es dem Patienten in relativ kurzer Zeit, diesen mit weniger Angst und schließlich völlig angstfrei begegnen zu können.
Bei der Psychodynamischen Therapie benötigt man mehr Zeit, da die auslösenden Faktoren ersteinmal identifiziert werden müssen, bevor man sie auflösen kann.
Bei beiden Therapieformen kann das Erlernen einer Entspannungsmethode hilfreich sein.

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