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Endlich wieder Licht am Ende des Tunnels: Der lange Weg aus der Depression!

DepressionJahrzehntelang wurde die Depression von großen Teilen der Gesellschaft nicht wirklich ernst genommen. „Stimmungstiefs hat doch jeder mal“, lautete die einhellige Meinung. Doch spätestens seit dem Suizid des damaligen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke im Jahr 2009 wird diese psychische Krankheit – zumindest in Deutschland – mit anderen Augen gesehen. Eine Depression ist nämlich weit mehr als ein Stimmungstief. In diesem Artikel wollen wir nicht nur mit Vorurteilen aufräumen, sondern vor allem Ursachen, Symptome und Lösungen präsentieren, um dir zu zeigen, dass es einen Ausweg aus deiner Antriebslosigkeit gibt. Sobald du deine Krankheit akzeptierst und dich anderen Menschen gegenüber öffnest, wirst du Licht am Ende des dunklen Tunnels sehen.

Zugegeben: Geht es um das Thema Depression, wird der Robert-Enke-Vergleich vielleicht schon inflationär gebraucht. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen führte der Selbstmord des prominenten Torwarts zu einem Tabu-Bruch (auch über die Grenzen des Fußballs hinaus), zum anderen sind und waren am Beispiel Enke jede Menge Verhaltensmuster zu erkennen, die das Problem von Depressionen deutlich machten – sowohl in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung und als auch auf die Schwierigkeit, diese Krankheit zu diagnostizieren.

 

Leider steht einem Erkrankten das Wort „Depression“ nicht auf der Stirn geschrieben. Vielmehr gelten Betroffene als Meister im Vertuschen ihrer Ängste und Sorgen. Ganz bewusst sprechen wir hier nicht etwa von „verdrängen“, denn sie sind sich durchaus darüber im Klaren, dass mit ihnen etwas Grundlegendes nicht stimmt. Oftmals werden Angehörige in Folge des tragischsten aller Krankheitsverläufe gefragt: „Warum habt ihr nichts gemerkt?“ oder „Wie konnte es nur soweit kommen?“ Bleiben wir beim Beispiel Robert Enke: Nichts hatte anno November 2009 für Außenstehende auf einen Suizid hingedeutet. Vielmehr soll aus seinem Abschiedsbrief hervorgegangen sein, dass er seine Familie bewusst getäuscht hatte. Genau in diesem Punkt liegt auch der Auftrieb begründet, den viele an einer Depression erkrankte Menschen im „Endstadium“ zeigen. Im Tod scheint der gesuchte Ausweg gefunden zu sein. Betroffene geben sich die größte Mühe, dass ihr Plan nicht auffliegt, da sie in dieser letzten Entscheidung ihres Lebens nicht wieder „alles falsch machen“ wollen.

Der Unterschied zwischen einem Stimmungstief und einer Depression

Dennoch bleibt die Frage, warum depressive Menschen zeitweise oder – wie im Fall Enke – dauerhaft Höchstleistungen bringen können. Dies hat damit zu tun, dass eine Depression grundsätzlich in Schüben verläuft und dass Patienten durchaus dazu in der Lage sind, partiell Kraft aus Erfolgen zu ziehen. Bevor wir auf die Ursachen und Symptome einer Depression eingehen wollen, sind einige allgemeine Informationen notwendig, um die Krankheit besser verstehen zu können.

Per Definition ist eine Depression eine anhaltende und tiefe Herabgestimmtheit und dementsprechend kein vorübergehendes Stimmungstief. Der Unterschied zu einer zwischenzeitlichen Erschöpfung oder Trauer liegt auf der Hand: Stirbt beispielsweise ein nahestehender Mensch, befindest du dich inmitten einer Trauerphase, die von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Über kurz oder lang wird der Moment eintreten, in dem der Schmerz über den Verlust nachlässt und du damit beginnst, diesen zu verarbeiten. Das Stimmungstief verschwindet also meist von ganz alleine, wovon bei einer Depression nicht die Rede sein kann.

Reaktive und endogene Depression: Welche Ursachen hat meine Krankheit?

Dennoch können belastende Ereignisse durchaus mit dieser lang anhaltenden Krankheit in Verbindung stehen. Wir sprechen dann von einer reaktiven Depression, die im Gegensatz zu einer endogenen Depression steht. Letztere bezieht sich auf eine Störung der Nervenbotenstoffe im Gehirn, während ein reaktiver Krankheitsverlauf auf frühere Erlebnisse zurückzuführen ist. Hiermit wären wir auch schon bei den Ursachen einer Depression. Forschungen haben ergeben, dass circa ein Drittel aller Depressionen im unmittelbaren Zusammenhang mit belastenden und anhaltenden Ereignissen stehen. Nach dem Tod eines Familienangehörigen kann die Trauerphase auf den ersten Blick zwar erfolgreich abgeschlossen sein, mündet bei dem einen oder anderen jedoch in eine Verlustangst – und zwar in eine nachhaltige.

Doch nicht nur negative, sondern auch freudige Erlebnisse, etwa die Geburt des eigenen Kindes, kann zu einer Depression führen. Das mag auf den ersten Blick paradox klingen, doch die Pflicht, Verantwortung für einen Menschen übernehmen zu müssen, bleibt im Unterbewusstsein hängen. Die Folge: extreme Versagensängste! In Fachkreisen wird hier von den so genannten Be- bzw. Entlastungsfaktoren gesprochen. Auch chronischer und lang anhaltender Stress, ein Trauma sowie Infektionskrankheiten gelten als Auslöser einer Depression. Die vermehrte Ausschüttung von Cortisol (Stresshormon) ist in diesem Fall alles andere als förderlich und führt zunächst zu Schlaflosigkeit, Angststörungen oder sogar zum Nachlassen des sexuellen Verlangens.

Ganzheitliche Analyse: Die Wechselwirkungen einer Depression

Die Depression muss grundsätzlich ganzheitlich betrachtet werden. Es gibt nicht die eine Ursache oder den typisch depressiven Menschen. Vielmehr basiert diese tückische Krankheit auf Wechselwirkungen von psychischen und physischen Auslösern. So ist ein gesteigerter Perfektionismus aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einzig und alleine für das Auftreten einer Depression verantwortlich. Aber natürlich kann eine zu selbstkritische Leistungsorientierung dazu führen, dass die Anfälligkeit für eine Depression steigt.

Da es manchmal nicht leicht fällt, dieses Krankheitsbild wirklich zu begreifen, beziehen wir es auf etwas ganz Alltägliches. Vor allem zur kälteren Jahreszeit ist immer wieder von einem typischen Erkältungswetter die Rede. Dieses ist allerdings, entgegen der Meinung vieler, nicht für den Ausbruch einer Erkältung (und schon gar nicht einer Grippe, weil diese durch Viren ausgelöst wird) verantwortlich. Hierbei ist auf das bereits im Vorfeld schwächelnde Immunsystem eines Menschen hinzuweisen. Wer hiervon betroffen ist, gilt bei nasskalten Witterungsbedingungen als anfälliger. Im Umkehrschluss heißt das: Nur weil du besonders perfektionistisch bist, wird du an keiner Depression erkranken. Das Thema ist komplexer und unterliegt, wie erwähnt, gewissen Wechselwirkungen, die sich gegenseitig „pushen“.

Wurde mir die Depression etwa mit in die Wiege gelegt?

Kommen wir zurück zu den endogenen, also organischen Ursachen von einer Depression. Ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn kann sich negativ auf die Gemütswelt des Patienten auswirken. Sobald die Konzentration von Seotonin oder Noradrenalin nicht mehr optimal verteilt ist, schlägt sich dies auf den Zustand eines Menschen nieder. Stelle dir diese Botenstoffe als Gesprächspartner vor. Sie sorgen dafür, dass sich die Nervenzellen miteinander „verstehen“. Ist dies nicht mehr der Fall, werden die Sinneseindrücke nicht mehr richtig verarbeitet.

Es gibt noch ein weiteres Beispiel, das verdeutlicht, wie komplex die Ursachenforschung zum Thema Depression ist. Erwiesenermaßen stehen Krankheiten wie Tumore oder Schilddrüsenunterfunktionen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einer Depression. Doch bis heute streiten sich die Gelehrten, ob das Huhn oder das Ei zuerst da war – also ob die jeweilige Krankheit für eine Depression verantwortlich ist oder ob die Depression als auslösende Ursache angesehen werden kann.

Ebenso viel diskutiert wird die Frage, ob Veranlagungen eine Rolle spielen? Ja, spielen sie. Ist eine Depression also vererbbar? Nicht unbedingt! Auch hier ist wieder auf die Wechselwirkungen zu verweisen. Sicherlich erhöht die genetische Veranlagung die Anfälligkeit für eine Depression. Auslöser sind jedoch eher die oben genannten Lebensumstände, etwa zu großer Stress, die zum Ausbruch der Krankheit führen.

Anzeichen erkennen und ernst nehmen: Die Symptome einer Depression

Bevor wir ins Detail gehen, ist es uns wichtig, noch einen Hinweis zu geben: Auch wenn sich deine Anzeichen mit den für eine Depression allgemeingültigen Symptomen decken sollten, dürfen diese nicht als Selbstdiagnose dienen. In jedem Fall muss ein Arzt oder Psychotherapeut aufgesucht werden. Nur dieser kann eine Diagnose stellen.

Dennoch wollen wir dir die wichtigsten Symptome einer Depression natürlich nicht verschweigen. Die Anzeichen sind natürlich individuell verschieden, doch Kraftlosigkeit, Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit dürfte jeder depressive Mensch mehr oder weniger empfunden haben. Unterschieden wird in der Regel zwischen unipolaren und bipolaren Depressionen, die sich unterschiedlich äußern. In den unipolaren (oder auch monopolaren) Bereich fällt etwa die innere Leere, zu der auch gehört, dass einem selbst Dinge, die man früher als schön empfunden hat, keine Freude mehr bereiten. Der Energieverlust, einhergehend mit der Schwierigkeit, Entscheidungen zu fällen, Angststörungen, Energieverlust, Panikattacken, Selbstzweifel (inklusive des völligen Verlustes des Selbstbewusstseins) oder eben auch körperliche Anzeichen können auf eine Depression hindeuten. Andauernde Kopf- oder Rückenschmerzen, Schwindelgefühl, eine Enge in der Brust, der Libidoverlust und Schlafstörungen treten hierbei am häufigsten auf.

Wenn jedoch von bipolaren beziehungsweise manisch-depressiven Erkrankungen die Rede ist, kommen vor allem die Aufs und Abs deutlich zum Vorschein. So wechselt sich die allgemeine Antriebslosigkeit praktisch aus heiterem Himmel mit euphorischen Momenten ab. Diese Form der Depression ist umso schwerer zu entlarven, da viele Patienten zwischenzeitlich geradezu aufgekratzt und übertrieben gelaunt wirken. Ebenso spricht ein scheinbar nicht enden wollender Redefluss sowie ein Kontrollverlust unter Umständen für eine bipolare Depression. Wenn du zum Beispiel den Überblick über deinen Umgang mit Geld verloren hast und in eine finanzielle Krise geraten bist, könnte dies auf eine Depression hinweisen.

Der erste Schritt: Offen über die Depression sprechen!

Erschreckend: Schätzungen zufolge, werden über 50 Prozent aller Depressionen nicht diagnostiziert. Zum einen sind die Symptome individuell unterschiedlich und daher für den Arzt nicht immer auf eine Depression zurückzuführen, zum anderen trauen sich viele Betroffene nicht, über ihre Probleme zu sprechen. Wir wollen dir die Angst nehmen und dich darin bestärken, deine Krankheit nicht zu vertuschen. Die Heilungschancen sind nämlich gut, sofern du dich deinen Freunden und deinem Arzt frühzeitig anvertraust. Du brauchst definitiv keine Angst vor dem Arztbesuch haben, denn heutzutage ist die Depression längst kein Tabu-Thema mehr.

Auch die Untersuchung wird dir keine neue Hürden in den Weg stellen. Vielmehr wirst du spüren, dass es dir gut tut, endlich mit der Sprache herauszurücken. Zunächst wird eine Anamnese (auch bekannt als Bestandsaufnahme) durchgeführt. Neben einem körperlichen Check werden natürlich auch die aktuelle Lebenssituation sowie die persönliche Vorgeschichte geprüft. Die Weltgesundheitsorganisation hat hierzu ein Diagnosesystem namens ICD-10 herausgegeben. Mit diesem musst du dich aber nicht wirklich befassen. Wir wollen dir mit diesem Hinweis lediglich deutlich machen, dass dein Arzt auf das Thema Depression vorbereitet ist. Du wirst ernst genommen und brauchst dich nicht verstecken, weil du beileibe nicht der einzige Patient mit diesen Symptomen bist.

Selbsthilfe oder Therapiemaßnahmen? Beides!

Wie kann ich eine Depression besiegen? Zunächst einmal solltest du, wie im vorherigen Kapitel erläutert, deine Symptome ernst nehmen und mit anderen Menschen darüber sprechen. Im nächsten Schritt wird dein Arzt entscheiden, wie weit fortgeschritten deine Depression ist und welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Bei einem schwächeren Verlauf können Bewegung (Sport) oder Entspannungstechniken hilfreich sein. Ist eine mittelschwere oder schwere Depression diagnostiziert worden, wird die Therapie in der Regel auf die drei Grundpfeiler „Behandlung mit Antidepressiva“, „psychotherapeutische Verfahren“ sowie „körperbezogene Therapien“ gestützt. Führen sämtliche Therapieansätze nicht zum gewünschten Ergebnis, wäre auch eine stationäre Behandlung denkbar (unter anderem in einer Tagesklinik).

Grundsätzlich gilt: Je früher du dir die Veränderung in deinem Leben eingestehst und zum Arzt gehst, desto besser und weniger aufwendig sind die Heilungschancen. In Sachen Selbsthilfe gibt es einen Unterschied zu Panikattacken: Grundsätzlich ist jede Form der Entspannung gesundheitsfördernd, doch alleine mit typischen Life Hacks wie Küche putzen oder Essen kochen wirst du die schwere Depression nicht besiegen können. Versuche dir (neben der Anwendung von Entspannungstechniken) immer wieder klar zu machen, dass die Depression eine Krankheit wie jede andere ist. Du darfst darüber sprechen! Vor allem solltest du keine vom Arzt verschriebenen Medikamente oder Therapiemaßnahmen auslassen. Auch wenn es schwer fallen mag, das beste Rezept ist immer noch folgendes: Helfe anderen Menschen, dir zu helfen!

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