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Burnout: Viel mehr als eine Mode-Krankheit!

BurnoutEs ist an der Zeit, mit einem Vorurteil endgültig aufzuräumen: Wer unter einem Burnout-Syndrom leidet, lässt sich nicht einfach nur gehen und ist schon gar nicht zu faul zum Arbeiten! Ebenso unpassend ist es, in Sachen Burnout von einer Mode-Krankheit zu sprechen. Zum einen wurde der Begriff bereits Mitte der 70er geprägt, zum anderen stecken hinter diesem Krankheitsbild ernst zu nehmende und spezifische Symptome, die sich von anderen Angststörungen oder gar Depressionen unterscheiden. Bei einem Burnout handelt es sich um einen chronischen Erschöpfungszustand, der Patient ist im wahrsten Sinne des Wortes ausgebrannt. In diesem Artikel nennen wir nicht nur Ursachen und Symptome dieser Krankheiten, sondern gehen vor allem auf vorbeugende Maßnahmen ein, mit der ein Ausbruch verhindert werden kann.

Warum wird das Burnout-Syndrom eigentlich in der Gesellschaft häufig nicht wirklich ernst genommen, während Depressionen längst anerkannt sind? Hat es etwas mit dem Begriff an sich zu tun? Burnout: Das klingt für viele zu modern, zu wenig medizinisch und vielleicht zu spektakulär. „Ausbrennen! Ja, geht’s denn noch dramatischer?“, mag sich der eine oder andere mitten im Leben stehende Workaholic denken. Doch häufig erkranken genau die Männer und Frauen an einem Burnout, die in ihrem bisherigen Arbeitsleben durch höchste Disziplin und kaum Fehltage aufgefallen sind.

Allerdings sind nicht nur diejenigen von diesem chronischen Erschöpfungszustand betroffen, sondern auch jene, die mehr oder weniger Dienst nach Vorschrift machen. Ist Burnout demnach tatsächlich eine Volkskrankheit? Gab es diese früher etwa nicht? Und wenn nein, wie ist das überhaupt möglich? Bevor wir uns den vorbeugenden Maßnahmen und Therapieansätzen widmen, ist es wichtig, einen kurzen Blick in die Burnout-Historie zu werfen, denn nur so wird man feststellen, dass dieses Krankheitsbild alles andere als neu ist.

Seit wann gibt es eigentlich Burnout?

Hast du zufällig die Erfolgskomödie „Fack ju Göhte“ gesehen? Darin schlüpft die Schauspielerin Karoline Herfurth in die Rolle der Lehrerin „Lisi“ Schnabelstedt. In einer ihrer Unterrichtsstunden erwähnt sie im Zusammenhang mit dem Burnout-Syndrom einen gewissen Herbert Freudenberger. Tatsächlich ist dieser Begriff auf den 1999 verstorbenen US-Psychoanalytiker zurückzuführen, der 1974 erstmals von einem Burnout-Syndrom in Bezug auf Stresssituationen sprach. Bereits 1960 erschien übrigens ein Roman von Graham Greene mit dem Titel „A Burn-Out Case“ auf dem Markt. Lässt man das Wort Burnout einfach mal außen vor, kann man noch weiter zurückblicken, um diesem (oder zumindest einem sehr ähnlichen) Krankheitsbild auf die Spur zu kommen. Die bürgerliche Schicht des 20. Jahrhunderts hatte vermehrt unter der Neurasthenie zu leiden, die ebenfalls durch Erschöpfung und Abneigung gegen das alltägliche Leben gekennzeichnet ist. Von einer Mode-Krankheit zu sprechen, fällt noch schwerer, wenn man bedenkt, dass sogar in der Bibel von der „Elias-Müdigkeit“ die Rede ist.

Vielleicht ist es sinnvoll, Burnout als eine Art Türöffner zu sehen – und zwar insofern, als dass es Menschen leichter fällt, ihr Unwohlsein mit einem „ausgebrannten Zustand“ als mit Depressionen zu besprechen. Früher war es ein absolutes Tabu, sich über zu viel Arbeit oder Stress zu beklagen, und auch heute verdreht der eine oder andere bei derlei Aussagen die Augen. Wenn es Herbert Freudenberger mit seiner Begriffskreation also gelungen ist, die Menschen zu öffnen beziehungsweise ihnen die Möglichkeit zu geben, über ihre psychischen Probleme zu sprechen, dann haben wir diesem Herrn eine Menge zu verdanken. Umso wichtiger ist es, das Thema Burnout ernst zu nehmen!

Ein Burnout kommt immer schleichend!

Apropos ernst nehmen: Die Akzeptanz wäre bereits größer, hätte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Burnout frühzeitig als eigenständiges Krankheitsbild im Klassifikationssystem (ICD-10) eingetragen. Zustände der totalen Erschöpfung (also auch Burnout) werden dort als „Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ eingeordnet. Aus unserer Sicht klingt Burnout doch deutlich greifbarer, oder etwa nicht? Letztendlich kommt es jedoch nicht darauf an – abgesehen von den Versicherungsfragen im Krankheitsfall. Im Vordergrund sollte immer der Mensch und dessen Symptome stehen. Grundsätzlich entwickelt sich das Burnout-Syndrom schleichend. Von Schlafstörungen und einer dauerhaften Müdigkeit über eine allgemeine Unruhe und Konzentrationsstörungen bis hin zu Stimmungsschwankungen und Gereiztheit: Ein Burnout hat viele unangenehme Gesichter.

Burnout-Symptome: Am Anfang war es die Erschöpfung …

Allerdings treten diese Symptome nicht alle gleichzeitig auf, womit wir bei der bereits erwähnten schleichenden Entwicklung wären. Immer wieder kommt in Bezug auf diese Krankheit die Frage auf, ob es sich beim Burnout nicht nur um eine Form der Depression handelt? Dem ist nicht so, vielmehr können Depressionen auch Symptome des Burnout-Syndroms sein. Charakteristisch ist also der fließende Übergang von einem – zumindest äußerlich – gesunden Menschen zu einem kranken Menschen, der sich am Ende völlig isoliert. Zu Beginn des Verlaufs nimmt der Betroffene den Stresszustand wahr, erste Erschöpfungsanzeichen machen sich bemerkbar. Diese führen unter anderem zu Schlafstörungen und auch körperlichen Schmerzen, die selbst Ärzte zunächst kaum zuordnen können.

Nun passiert etwas ganz Logisches: Wer dauerhaft mit Beschwerden zu kämpfen hat, wird immer gereizter und verabschiedet sich vollends aus dem sozialen Leben – häufig mit der Begründung, arbeiten zu müssen. Und dies ist meistens nicht einmal gelogen, denn wer unter einem Burnout leidet, gesteht sich das psychische Problem nicht ein beziehungsweise nimmt es nicht bewusst wahr. Man geht weiterhin zur Arbeit, ohne jedoch große Erfolgserlebnisse zu erzielen. Da die Erschöpfung das private und berufliche Leben bestimmt, werden die Aufgaben nur noch abgearbeitet, was natürlich nicht zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl beiträgt. Dauerstress kann in eine Depression münden, aber auch körperliche Beschwerden wie Bluthochdruck oder sogar ein Bandscheibenvorfall können auf ein Burnout hinweisen.

Perfektionisten und Ja-Sager: Wer ist für ein Burnout besonders anfällig?

Im Rahmen dieser fließenden Entwicklung geistern im Kopf des Patienten immer mehr negative Gedanken umher. Warum habe ich keine Kraft mehr? Warum nutzen mich alle nur aus? Wieso ging mir früher im Job alles leicht von der Hand und warum bin ich auf einmal überfordert, obwohl ich die gleichen Aufgaben erledige? Haben meine Arbeit oder mein Leben überhaupt noch einen Sinn? Vor allen Dingen diejenigen, die sich selbst eher über den Beruf als über die Familie oder Freunde definieren, gelten als ernsthafte Burnout-Kandidaten. Ähnlich wie bei Panikattacken zieht sich der Teufelskreis immer mehr zu: Obwohl du völlig erschöpft bist, mutest du dir immer mehr Arbeit zu. Waren die Wochenenden früher noch für deine Familie oder deine Hobbys reserviert, verbringst du inzwischen selbst deine freien Tage nur noch am Schreibtisch.

Eigentlich ist dies ein Widerspruch – allerdings ein nachvollziehbarer, wenn man sich die individuellen Faktoren genauer anschaut, denen Burnout-Patienten ausgesetzt sind. Nicht selten erkranken nämlich Menschen, die zu perfektionistisch denken. Wer zu hohe Anforderungen an seine eigene Person stellt und ständig Höchstleistungen vollbringen möchte, sei es im Beruf oder in der Freizeit, wird irgendwann einen Erschöpfungszustand erleiden. Übertriebener Ehrgeiz ist oftmals eine Folge des Perfektionismus und führt dazu, dass du dich immer neu beweisen musst – bis zur völligen Erschöpfung. Allerdings muss das Ausbrechen von einem Burnout nicht zwingend egoistischer oder gefühlt egoistischer Natur sein. Solltest du ein Helfersyndrom mit dir herumschleppen, dauernd es vermutlich nicht lange, bis du dich maßlos überforderst. Du möchtest dich nützlich oder gebraucht fühlen und vergisst dabei, auf dein eigenes Bauchgefühl zu hören. Als Burnout-gefährdet gelten auch die Ja-Sager, die einfach jede Aufgabe übernehmen, um es den anderen Recht zu machen. Diese Menschen sind so harmoniebedürftig, dass sie sich nahezu alles aufbürden lassen.

Kürzertreten statt ausbrennen? Vorbeugende Burnout-Maßnahmen!

Burnout ist ein Begriff, der gemeinhin mit beruflicher Überforderung in Einklang gebracht wird. Natürlich hängt es miteinander zusammen, doch Perfektionismus, übermäßiger Ehrgeiz oder ein Helfersyndrom haben zunächst einmal etwas mit deiner Persönlichkeit zu tun. Die Ursachen sind individuell verschieden und liegen manchmal auch in der eigenen Kindheit begründet. Viel spannender ist doch die Frage, wie man einem Burnout entgegentreten sollte? Kürzertreten statt ausbrennen? Kann es die Lösung sein, einem Burnout-Kandidaten mit auf den Weg zu geben, „auch mal weniger zu arbeiten“?

Ja und nein! Natürlich ist das Kürzertreten absolut notwendig, doch leider ist es nicht so einfach, wie man denkt. Dennoch bietet ein schleichendes Burnout im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen einen Vorteil. Durch die fließende Entwicklung kann man, sofern die ersten Symptome frühzeitig und richtig gedeutet werden, vorbeugende Maßnahmen treffen. Aus diesem Grund gehen wir in diesem Artikel auch eher auf die Prävention ein, da die Selbsthilfe hier durchaus erfolgreich sein kann.

Verhalten im Job: So kannst du die Burnout-Gefahr minimieren!

Machen sich bei dir die ersten Anzeichen bemerkbar oder wirst du darauf hingewiesen, liegt es nahe, dass du zunächst dein Arbeitsverhalten kritisch beäugst. Um es gleich vorwegzunehmen: Es geht nicht darum, ab sofort die Arbeit einzustellen oder keine Aufgaben mehr auszuüben. Du sollst dich nicht zurückziehen, sondern weiterhin berufliche Erfolge erzielen können, die letztlich zu einem gesteigerten Selbstbewusstsein und einem optimalen Sozialleben beitragen. Vielmehr kannst du einige, kleine und vor allem realisierbare Dinge verändern.

Nimm dir beispielsweise vor, deine Pausen effektiv zu nutzen. In dieser Zeit (oftmals reicht eine halbe Stunde) kannst du abschalten und neue Kräfte sammeln, wenn du das Handy ausschaltest und dich beim Mittagessen mit den Kollegen nicht über den Job, sondern über die Freizeit oder das Privatleben unterhältst. Grundsätzlich wäre es natürlich ratsam, Aufgaben besser zu delegieren und sein Zeitmanagement zu überdenken. Dies geht jedoch nicht von heute auf morgen, es ist ein Prozess.

Echte Burnout-Killer: Weniger Alkohol, mehr Bewegung!

Nach der Arbeit ist vor dem Feierabendbier! Gilt dieses Motto auch für dich, ist das zunächst einmal kein schlechter Ansatz. Allerdings nur solange, wie du dich im Griff hast und nicht anfängst, deinen beruflichen Stress im Alkohol zu ertränken. Erwiesenermaßen trägt der Konsum zu einem schlechteren Schlaf bei, was wiederum die Burnout-Entwicklung forciert. Gegen ein, zwei Feierabendgetränke ist nichts einzuwenden (sofern du mit deinen Kollegen dabei nicht nur über die Arbeit sprichst). Allerdings gibt es deutlich bessere Entspannungstechniken, die du in deinen Alltag einbetten solltest. Progressive Muskelentspannung und Meditation, wenn möglich sogar in der Mittagspause, sind genauso effektive Methoden wie ein wenig körperliche Bewegung im Anschluss an den Arbeitstag. Es reicht aus, wenn du eine halbe Stunde Fahrrad fährst, joggst, walkst oder einfach nur Spazieren gehst. Helfe deinem Körper und deinem Geist dabei, die Stresshormone abzubauen. Pass aber auf, dass du nicht zum absoluten Sport-Junkie wirst! Zu viel Sport kann neben der Ausübung deines Berufes nämlich schnell zum zweiten Stressfaktor in deinem Leben avancieren – vor allem, wenn du besonders ehrgeizig bist.

Ganz grundsätzlich lautet unser Rat: Lebe bewusster und biete dem Burnout keinen Angriffspunkt. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Sitze nicht bis in die Puppen vor dem Fernseher, sondern entspanne mit einem Buch in der Hand. Gönne dir vor dem Schlafengehen eine ausgiebige Pflege und nehme ein warmes Bad. Verzichte weitestgehend auf Fast-Food, sondern versuche, dich gesund zu ernähren. Zudem geht es beim Essen – im Gegensatz zu einigen Aufgaben in deinem Job – nicht darum, ein möglichst schnelles Ergebnis zu erzielen. Lasse dir Zeit und lerne, zu genießen. All diese kleinen Tipps sind echte Burnout-Killer, die dir ein ganz neues Lebensgefühl vermitteln können. Erschöpfung ist zunächst einmal nichts Negatives, solange du die Signale deines Körpers richtig deutest und ernst nimmst. Nur wenn das gelingt, wirst du dem Burnout die Rote Karte zeigen können und letztlich sowohl beruflich als auch privat wieder Freude empfinden und Erfolge einfahren.

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