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Angststörung – Ursachen, Symptome und Hilfe


Es gibt wohl keinen, der sie nicht hat: Ängste. Wenn Ängste jedoch Ihr Leben bestimmen und Sie in Ihrem Alltag einschränken, leiden Sie womöglich an einer Angststörung.

Dabei übernimmt Angst eine wichtige Funktion im Leben eines jeden komplexen Lebewesens. Sie schützt den Organismus vor gefährlichen Situationen und kann im Ernstfall durch eine Kette von Reaktionen auf das vegetative Nervensystem einwirken. Diese rufen Körperreaktionen hervor, wie das Beschleunigen der Herzrate und die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol, welche wiederum die Sinne schärfen und den Muskeln temporär mehr Schnelligkeit und Kraft liefern, um sich aus der Situation lebend zu befreien. Bei gesunden Menschen ist dieser Zustand jedoch schnell überstanden. Wenn Ängste Sie über einen langen Zeitraum plagen, verlieren sie ihre wichtige Funktion und werden zu pathologischen Angststörungen.

Was macht eine Angststörung aus, was ist das?

Es gibt viele Ängste, die den modernen Menschen zu schaffen machen können. Angst vor Krankheit, Jobverlust, Sorge um das Wohlergehen der Kinder und des Partners, finanzielle Nöte, Schulnoten. Die Liste ist endlos. Doch ab wann sind normale Ängste als Angststörung zu klassifizieren? Es gibt einige Kriterien, mit denen man Angst von Angststörung differenzieren kann. Reagieren Sie beispielsweise auf Bedrohungsquellen mit unangemessener Angst, ist Ihre Angstreaktion von zu großer Intensität und Dauer, sind Ihre Abwehrmechanismen abnormal und führen zu körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen, kann man von einer Angststörung reden.

Die genannten körperlichen Beeinträchtigungen zeigen sich durch somatische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüche und Herzrasen. Viele Betroffene ziehen sich sozial zurück, um Ängste zu vermeiden oder um anderen Menschen keine Last zu sein.

Angstattacken können wenige Minuten bis mehrere Stunden oder Tage andauern.

Was sind die Ursachen für eine Angststörung?

Die Angstpsychologie spricht einerseits von der „Trait-Angst“, einer genetischen Disposition zu Ängsten zu neigen. Auch entwicklungspsychologisch lassen sich Ängste erklären, zum Beispiel wenn die frühe Entwicklung durch Konflikte mit den Eltern, niedrige Aufmerksamkeit, körperliche Züchtigungen oder sexuelle Traumata geprägt ist. Freud erklärt die Angststörung durch einen innerpsychischen Konflikt, etwa durch einen Triebimpuls, der nicht befriedigt wird.

Neurobiologen dagegen sehen körperliche Krankheiten, wie die Schilddrüsenfehlfunktion oder eine Beeinträchtigung der Neurotransmittersysteme als Ursache der Angststörung.

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Wie können Sie die Angststörung überwinden?

Die Ursache und Lösung Ihrer Angststörung können in einer Psychotherapie gefunden werden.
Da Angststörungen in der Regel ein Produkt aus einem Missverhältnis der äußeren Umweltbeurteilung und der eigenen subjektiven Befindlichkeit sind, wird bei der Therapie ein geregelter, geistiger wie emotional gesteuerter Umgang mit den unverhältnismäßigen Ängsten angestrebt. Ziel ist hierbei jedoch keine komplette Angstfreiheit, da Ängste, wie bereits erwähnt, eine wichtige Funktion übernehmen. Es gibt zahlreiche Therapieangebote aus verschiedenen interdisziplinären Fachrichtungen. Dazu gehört die Verhaltenstherapie, die versucht den Schreck aus Ihrer Angststörung durch langsam dosierte Konfrontation zu nehmen. Die Reizüberflutung („flooding“) hingegen setzt Sie einer maximalen Angstintensität aus, die Sie für eine bestimmte Zeit ertragen müssen. Der Patient soll sich physiologisch an die Situation gewöhnen und lernen, dass die gefürchteten katastrophalen Folgen ausbleiben. Diese Behandlungsmethode steht häufiger in der Kritik und wird aus ethischen Gründen in Deutschland meist nicht mehr praktiziert.

Die kognitive Psychologie setzt an der Verhaltenstherapie an und versucht den Patienten dazu zu bringen, Denk- und Bewegungsmuster zu ändern. Die Annahme ist hierbei, dass angstauslösende Situationen falsch beurteilt werden und im Laufe der Zeit die Angststörung intensivieren können. Auch die Frage der Ursache wird hier gestellt.

Was möchte die Angst im Endeffekt denn erreichen?

Tiefenpsychologische Therapiemethoden basieren auf der Grundannahme, dass Ängste Ausdruck eines Konfliktes im Unbewussten darstellen, die aufgrund misslungener Kompromisslösung auftreten. Das Durcharbeiten dieser Konflikte soll die Angstreaktion überflüssig machen, sodass der Patient Angst wieder in einem gesunden Ausmaß erlebt.

Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit eine Angststörung im Rahmen eines Aufenthalts in einer psychosomatischen Klinik zu behandeln. Dort hat der Patient die Möglichkeit andere Menschen, die unter einer Angststörung leiden, zu treffen, um Erfahrungen und Erfolge auszutauschen. Neben der Gruppentherapie wird in den meisten psychosomatischen Kliniken Gestaltungstherapie, Physiotherapie, Musiktherapie sowie die Einzeltherapie mit einem Psychologen oder Psychiater angeboten, um die Angststörung zu behandeln. Medikamentöse Behandlungsformen unterstützen dabei die Psychotherapie.

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Wie können Sie selbst Ihre Angst in den Griff bekommen, was hilft?

Neben professioneller Hilfe stehen Ihnen viele Ressourcen zur Verfügung, die es Ihnen ermöglichen Symptome der Angststörung zu lindern. Das autogene Training ist wohl die bekannteste Entspannungsmethode, die auf Autosuggestion basiert und leicht erlernbar ist.

Autogenes Training setzt wiederholte Redewendungen ein, die dem Unterbewusstsein helfen, an etwas zu glauben. Vorausgesetzt wird eine ruhige Körperhaltung, in der man in einer völlig entspannten Position verweilt. Die kurzen formelhaften Mantras müssen von dem Patienten mehrmals konzentriert im Geiste vorgesagt werden. Es gibt die simple Version des autogenen Trainings, die aus sieben Übungen besteht, die üblicherweise nacheinander durchgeführt werden.

Das Erlernen des autogenen Trainings dauert in der Regel mehrere Wochen und kann unter professioneller Anleitung, einzeln oder in der Gruppe nähergebracht werden. Täglich fünf Minuten reichen schon aus, um langfristige Erfolge zu erzielen.
Die progressive Muskelentspannung oder Tiefenmuskelentspannung ist eine Therapieform, bei der durch die bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung des ganzen Körpers erreicht werden soll. Ähnlich wie beim autogenen Training, kann die progressive Muskelentspannung selbst beigebracht, oder beispielsweise in Volkshochschulen oder den gesetzlichen Krankenkassen gelernt werden.

Auch Sport hilft dabei, Symptome der Angststörung zu lindern. Der Betroffene soll sich etwa 30 Minuten täglich bewegen, um langfristig Erfolge zu erzielen.

Was sind Langzeitfolgen einer nicht therapierten Angststörung?

Extreme Fälle von Angststörung können zum Verlust von Partner, Job oder Freunden führen. Das daraus resultierende Gefühl von Einsamkeit verstärkt die Angststörung und führt wiederum zu größeren Vermeidungsreaktionen und sozialem Rückzug – ein Teufelskreis. Chronische somatische Beschwerden, wie Schlaflosigkeit, Migräne, Bluthochdruck oder dauerhafte Übelkeit können sich einstellen. Weitere psychische Krankheiten, wie etwa eine Depression, können Folgen einer nicht therapierten Angststörung sein.

Wie groß sind die Heilungschancen bei einer Angststörung?

Ein von Angst geprägtes Leben muss niemand aushalten. Die Angststörung lässt sich gut behandeln, wenn Sie bereit sind, sich kompromisslos auf die zahlreichen Therapieformen einzulassen und regelmäßig an sich arbeiten. Dabei ist es egal, ob Sie zehn, 25 oder 60 Jahre alt sind. Das Wichtigste ist, sich nicht entmutigen zu lassen und kleine Erfolge anzunehmen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Die bislang bedeutsamste Studie erbrachte bei Patienten, die unter einer Angststörung litten, nach einem Jahr bei 57,9 % der Fälle eine Heilung.

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