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Agoraphobie und Panikattacken

Vermuten Sie Agoraphobie und Panikattacken bei sich? Oder leiden Sie bereits an dieser Erkrankung?

Jeder Mensch hat Angst, dabei handelt es sich um eine Reaktion des Körpers, die den Menschen vor bedrohlichen Situationen warnt, daher ist diese Reaktion nicht nur sinnvoll sondern auch überlebenswichtig.

Wer nicht selbst schon einmal darunter gelitten hat, kann sich die Tragweite von
Agoraphobie und Panikattacken nicht vorstellen. Obwohl eine Panikattacke meist nur wenige Minuten dauert, sind die Betroffenen von dem plötzlichen Auftreten überrascht. Agoraphobie, Platzangst, ist nicht weniger schlimm. Doch hier wissen die Betroffenen, wann sie mit ihrem Auftreten rechnen müssen. Ist es jedoch eine Kombination von Agoraphobie und Panikattacken benötigen Patienten meist Hilfe.

1. Definition von Agoraphobie und Panikattacken

Zunächst ist noch einmal der Unterschied zwischen beiden zu klären.

Das Wort Agoraphobie setzen sich aus den beiden griechischen Wörtern Agora – offener Platz und Phobie – Angst, zusammen. Als besonders beängstigend empfinden die betroffenen Menschenansammlungen, wie sie in öffentlichen Verkehrsmitteln, Restaurants oder Einkaufszentren, vorkommen. Sie können auch auf Brücken oder im Fahrstuhl auftreten. Diese kann aber auch an völlig einsamen Orten beginnen. Sie sind dann begleitet von Panikattacken, da die Flucht schwierig erscheint oder keine rechtzeitige Hilfe erwartet werden kann. Hier wären die Diagnosen Agoraphobie und Panikattacken erfüllt.

Panikattacken können auch Angstattacken genannt werden. Plötzlich und für den Betroffenen völlig unerwartet, produziert der Körper bestimmt Alarmsignale, die zu einer Panikattacke führen können. Schon wenige Minuten, nachdem die ersten Symptome, die im totalen Kontrollverlust enden können, ist bereits der Höhepunkt erreicht.

Agoraphobie und Panikattacken treten nicht selten als Kombination auf, was es für die Patienten nochmals schwieriger macht.

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2. Ursachen und Entstehung von Agoraphobie und Panikattacken

Agoraphobie und Panikattacken haben die Ursachen oft kombiniert im psychologischen als auch im psychiatrischen Bereich. Nicht erkennbar ist meist ein objektiver Grund für die erste Panikattacke.

Analysen des Lebens, wie sie zum größten Teil in der Anamnese aufgenommen werden, geben teilweise erste Anhaltspunkte. Diese haben zumeist in der Kindheit ihren Ursprung. Je jünger die Patienten zur Zeit des Auslösers waren, desto schwieriger gestaltet sich die Spezifizierung und auch die Behandlung von Agoraphobie und Panikattacken.

So wird bei der Ursachenforschung für Agoraphobie und Panikattacken das familiäre Umfeld als Erstes genauer untersucht. Etwas, was als Kind erlebt wurde, kann erst viele Jahre später wieder vom Unterbewusstsein ans Tageslicht kommen und zu Agoraphobie und Panikattacken führen. Kinder, die etwas bedrohlich empfunden haben und die nicht verarbeiten konnten tragen diese subjektive Empfindung mit sich herum.

3. Die Agoraphobie als Auslöser von Panikattacken – ein Einblick in die Psychiatrie

Es kommt zu sich immer wiederholenden unerwarteten Panikattacken mit der Folge, dass sich die Person, die davon betroffen ist, sich über einen längeren Zeitraum (mindestens vier Wochen) Sorgen darüber macht, dass es erneut zu Attacken kommt bzw. dass das Auftreten dieser Attacken besonderer Bedeutung beigemessen werden muss gerade auch in Bezug auf die Konsequenzen.

Welche Konsequenzen? Beispielsweise der Gedanke daran, verrückt zu werden oder aber eine Änderung der eigenen Verhaltensweisen, die durch das Auftreten der Attacken bestimmt wird. Dabei können die genaue Anzahl und auch die schwere der Panikattacken nicht genau bestimmt werden, da diese bei jedem unterschiedlich auftreten. Einige haben regelmäßig Attacken, beispielsweise einmal pro Woche, andere dagegen in einem sehr kurzen Zeitraum sehr viele dieser Attacken, also beispielsweise täglich eine Attacke. Dabei lässt sich oft beobachten, dass die Attacken, die über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig auftreten, oft mittelmäßig eingestuft werden, die Attacken, die über einen kürzeren Zeitraum aber häufig auftreten, oft als schwerwiegend eingestuft werden.

Wie häufig kommen Agoraphobie und Panikattacken vor und sind Sie in einem bestimmten Alter besonders anfällig?

Tatsächlich gehören Agoraphobie und Panikattacken zu den meisten psychischen Erkrankungen der heutigen Zeit. Statistisch betrachtet treten 80 Prozent der Störungen bei Personen auf, die sich noch vor dem 30. Lebensjahr befinden. Das Alter für eine Ersterkrankung liegt zwischen der späten Phase der Pubertät und Mitte 30. Am häufigsten treten Panikattacken im Alter um Mitte 20 auf. Ersterkrankungen nach dem 45. Lebensjahr und in der frühen Phase der Kindheit kommen lediglich sehr selten vor.

Bei der Ersterkrankung kommt es zu einem plötzlichen Auftreten der Panikattacke. Zu beobachten ist zudem, dass zu diesen Attacken oft binnen eines Jahres agoraphobische Symptome hinzutreten. Insgesamt leiden rund 50 Prozent der Panikpatienten an Panikattacken und Agoraphobie. In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Menschen von Panikattacken bzw. Panikstörung oder Agoraphobie betroffen. Wird eine Panikattacke bzw. Panikstörung nicht behandelt, so kann sie zu einer chronischen Störung heranwachsen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit einer Attacke bei Frauen fast doppelt so hoch wie bei dem männlichen Geschlecht. Bei Panikattacken und Agoraphobie liegt das Verhältnis bei 3:1. Liegt diese Krankheit bereits in der Familie, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, selbst daran zu erkranken auf ein Fünf- bis Siebenfaches.

4. Symptome von Agoraphobie und Panikattacken

Allgemeine Symptome, welche auf Agoraphobie und Panikattacken hinweisen, sind Hitzegefühle oder Kälteschauer. Ferner klagen Betroffene über Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle. Weitere Symptome lassen sich in psychische und vegetative Anzeichen unterteilen.

Bei den psychischen Symptomen können sich Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit einstellen. Andere Patienten von Agoraphobie und Panikattacken beschreiben, dass sie Angst haben die Kontrolle zu verlieren oder sogar verrückt zu werden. Es kann auch eine Depersonalisierung, Entfremdung zur eigenen Person, oder einem Gefühl der Derealisation, welches ein Gefühl ist anzunehmen, dass die Umwelt nicht realistisch scheint, auftreten. In besonders schwierigen Fällen von Agoraphobie und Panikattacken haben die Patienten Angst zu sterben.

Vegetative Symptome von Agoraphobie und Panikattacken sind:

  • Schweißausbruch
  • Atembeschwerden
  • Schmerzen in der Brust
  • Gefühl der Beklemmung
  • Herzrasen
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Zittern
  • Mundtrockenheit

Einige der eben aufgerührten Symptome der Agoraphobie und Panikattacken lassen sich aber auch bei vielen anderen psychischen Erkrankungen wiederfinden.

5. Diagnose von Agoraphobie und Panikattacken

F 40.01 ist der Diagnoseschlüssel für Agoraphobie und Panikattacken. Der Hausarzt wird das Gespräch mit dem Patienten suchen. Es wird die Krankheitsgeschichte, vor allem die Erlebnisse der Kindheit, aber auch die jetzigen Belastungen, erforscht und dokumentiert. Anschließend sind organische Erkrankungen auszuschließen, ehe die Überweisung zu einem Facharzt erfolgt. Betroffene werden nach Durchsicht der bereits vorliegenden Befunde individuell weiteren Untersuchungen (EEG) und dergleichen unterzogen. Bestätigt sich die Diagnose, Agoraphobie und Panikattacken, kann nun gezielt mit der Behandlung begonnen werden.

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6. Therapie von Agoraphobie und Panikattacken

Wie es sich bei den Symptomen schon herauskristallisierte, sind sie sehr vielschichtig, was sich auch in den Behandlungsverfahren widerspiegelt. Zunächst der Blick auf die medikamentösen Möglichkeiten Agoraphobie und Panikattacken zu behandeln. Es kommen Antidepressiva und Anxiolytika zum Einsatz. Bei Letzteren sind es häufig Alprazolam oder Xanax, welches der Arzt verordnen wird. Erprobt hat sich bei den Antidepressiva Tofranil.

Leider haben diese Medikamente den Nachteil, dass sich die Symptome der Agoraphobie und Panikattacken nach dem Absetzen, in den meisten Fällen erneut einstellen. Zudem sind die Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, nervöses Zittern und auch Steigerung des Bluthochdrucks als hoch zu bezeichnen. Viele Patienten beachten auch nicht, dass ein gleichzeitiger Genuss von Alkohol zu unterbleiben hat. Alternativ bietet sich eine psychologische Behandlung an. Hierbei handelt es sich um eine Verhaltenstherapie, welche zugleich zwei Strategien verfolgt.

  1. Systematische Desensibilisierung
  2. Reizkonfrontation

Die systematische Desensibilisierung zielt darauf ab, dass die Patienten mit den Situationen, die ihnen Angst bereiten, konfrontiert zu werden und nach und nach lernen, sich damit auseinanderzusetzen. Diese Form der Therapie erfolgt in Stufen.

Bei der Reizkonfrontation mit Reaktionsverhinderung findet eine intensive Konfrontation statt. Bewusst werden Patienten in die Situation gebracht, bei welcher die Angst und die Panik am ehesten zu erwarten sind. Ziel hierbei ist es, das die Betroffenen erlernen, die Angst zu bewältigen. 

Anhand der aufgezeigten Möglichkeiten der Therapien wird klar, dass zum einen der Betroffene sich auf derartige Methoden einlassen muss. Zum anderen sind diese Methoden, um Agoraphobie und Panikattacken zu bewältigen, sehr zeitaufwendig.

8. Was können Freunde und Familie tun?

Bezugspersonen von Betroffenen sind stets unmittelbar mit betroffen. Freizeitaktivitäten wie Kinobesuche oder auch Reisen sind schier unmöglich. Gleichzeitig versuchen sie alles, damit die Menschen mit Agoraphobie und Panikattacken auch im Alltag vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sein und ihr Leben meistern können. Begleitungen beim Einkaufen oder beim Fahren mit dem Bus helfen dabei den Agoraphobikern jedoch nur bedingt. Kurzfristig erleichtert es den Umgang mit der Erkrankung, allerdings handelt es sich dabei nicht um eine langfristige Lösung, denn sie tragen dazu bei, dass die Erkrankung fortbesteht.

Freunde und Familienmitglieder sollten aus diesem Grund Kenntnisse über diese Krankheit haben. Dadurch ist nicht nur ihnen geholfen, sondern sie verstehen auch die Erkrankung besser. Insbesondere im Laufe der Psychotherapie unterstützt dies, die Verhaltensweisen zu ändern und so das gemeinsame Leben entsprechend der Erkrankung anzupassen. Aber was besonders wichtig ist: Freunde und Familienmitglieder dürfen sich selbst nicht zu sehr von der Erkrankung beeinflussen und einschränken lassen! Wird die Agoraphobie des Lebenspartners oder auch eines Familienmitglieds oder Freund für sie zu belastend, bieten Ärzte, Psychotherapeuten, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen auch ihnen die notwendige Hilfe.

Ratschläge sind oftmals gut gemeint, dennoch sind Sie nicht in der Lage, sich in einen Betroffenen hinein zu versetzen. Sie können also nicht wirklich helfen. Folglich ergibt sich eine konfliktgeladene Beziehungskonstellation zwischen einem Nicht-Betroffenen und einem Agoraphobiker mit Panikattacken. Seien Sie stattdessen interessiert, ein Begleiter, der sich selbst nicht aus den Augen verliert. Zudem sollte jedes eigenständige Handeln eines Betroffenen gelobt und ihm gegenüber Anerkennung gezeigt werden. Etwas Aufmerksamkeit, Hellhörigkeit für jede auch noch so kleine, aber positive Entwicklung, Gelassenheit, Ruhe und vor allem Geduld – dann gibt man der Agoraphobie und den Panikattacken wenig Raum und hat eine Chance, den Betroffenen auch wirklich zu helfen.

9. Fazit zu Agoraphobie und Panikattacken

Vielleicht hilft es zu wissen, dass rund 3,5 % der deutschen Bevölkerung im Alter zwischen 25 und 65 Jahren, von Agoraphobie und Panikattacken betroffen sind. Man steht also nicht allein da. Die Häufigkeit von nur einer der beiden genannten zu erkranken bzw. zu leiden, ist wesentlich höher. Dazu kommt noch die Dunkelziffer der Menschen, die es sich selbst nicht eingestehen oder den Weg zum Arzt scheuen. Als sicher ist anzunehmen, dass man Agoraphobie und Panikattacken ohne Hilfe kaum bewältigen kann.

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