Panikattacken

Panikattacken: Endlich raus aus dem ewigen Teufelskreis der Angst!

Panikattacken Dein Herz rast, dir wird schwindelig, du hast das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und endgültig die Kontrolle zu verlieren? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du unter Panikattacken leidest. Diese treten spontan auf und können dich überall heimsuchen – ob beim Einkaufen, in einem wichtigen Geschäftstermin oder nachts im Bett. Normalerweise erstrecken sich Panikattacken über einen Zeitraum von maximal 30 Minuten (in der Regel sogar deutlich kürzer), die sich für den Betroffenen jedoch so schlimm anfühlen, als würden sie schon bald das Zeitliche segnen müssen. Doch davon kann natürlich nicht annähernd die Rede sein, denn bei dieser Angststörung liegt zumeist überhaupt keine reale Gefahr vor. Die Patienten befinden sich in einem Teufelskreis. In diesem Beitrag informieren wir dich, worin dieser genau besteht und wie man ihn wieder verlassen kann.

„Wieder alles im Griff, auf dem sinkenden Schiff. Keine Panik auf der Titanic, Land in Sicht wir sterben nicht.“ So heißt es in Jürgen Drews Hit „Wieder alles im Griff“. Natürlich wollen wir diesem Lied keinen tieferen Sinn beimessen und diesen deutschen Schlager auch nicht als Therapieoption verkaufen. Und dennoch bringt es das Problem von unter Panikattacken leidenden Menschen ganz gut auf den Punkt. Wie in diesem Song empfinden Betroffene Panik, obwohl es objektiv dafür überhaupt keinen Grund gibt. Es besteht keine konkrete Gefahr und dennoch steigt das Gefühl in einem auf, dass man sterben könnte. Die starke innere Anspannung, die sich bei Panikattacken abspielt, ist zunächst einmal wichtig, um unser Überleben sichern zu können. Ohne diese Energiebereitstellung wären wir nicht in der Lage, auf wirklich gefährliche Situationen zu reagieren.

 

Ein Beispiel: Du begibst dich auf eine Safari und stehst plötzlich vor einem Löwen. Schnell wirst du dir der Gefahr bewusst und kannst dich nach dem „fight or flight“-System entweder in die Büsche schlagen oder dich verteidigen, wenngleich Letzteres bei diesem Beispiel keine allzu kluge Idee wäre. Dass wir Angst empfinden können, ist also überlebenswichtig – und die Panikattacken also ebenfalls. Doch was ist, wenn vor dir kein Löwe steht und auch keine andere Gefahr zu erkennen ist und du dennoch völlig die Kontrolle verlierst? Und was ist, wenn sich vergleichbare Situationen andauernd wiederholen – wie aus dem Nichts? „Land in Sicht, wir sterben nicht!“ Zu dieser Erkenntnis kommen die Patienten von Panikattacken immer erst, nachdem der „Anfall“ überstanden ist. Zuvor waren sie so fest davon überzeugt, dass sie jetzt sterben müssen. Leider war die Situation zudem so furchtbar, dass die Angst vor der Angst ins Spiel kommt. Damit wären wir auch schon beim eingangs erwähnten Panik-Teufelskreis. Doch beginnen wir von vorne …

Ein Teufelskreis: 6 Schritte bis zur Panik!

Grundsätzlich werden Panikattacken aufgrund von Fehlinterpretationen ausgelöst, die sowohl emotionaler als auch gedanklicher Natur sein können. Der Patient geht davon aus, dass es sich um eine ernsthafte Erkrankung oder eben eine anderweitige Gefahr handeln muss. Auf die Idee, dass diese Symptome eigentlich nur Ausdruck der Panikattacken sind, kommen sie zumeist nicht. Hierbei entsteht eine Art Teufelskreis, aus der ein Betroffener ohne fremde Hilfe häufig nicht herauskommt. Das Problem ist, dass man bei Panikattacken regelrecht auf das Auftreten der typischen Symptome wartet – und irgendwann machen sie sich dann tatsächlich breit.

Doch damit nicht genug: Die Angst schaukelt sich auf, man steigert sich wortwörtlich immer mehr in diese Spirale der Panik hinein. Ein solcher Teufelskreis, also die Panikattacken, spielt sich wohlgemerkt innerhalb von nur wenigen Sekunden ab. Du solltest diesen unbedingt kennen, um zu verstehen, was bei Panikattacken mit dir und deinem Körper passiert. Vielen hilft es dabei, die vermeintlichen Gefahren im Notfall besser einschätzen zu können und die Panikattacken als nicht mehr ganz so schlimm zu empfinden. Eine Lösung, um die Krankheit endgültig zu besiegen, ist dies jedoch noch nicht.

1. Körperliche Veränderungen machen sich bemerkbar

Vom leichten Herzklopfen über ein regelrechtes Herzrasen bis hin zum Schwindel- und Ohnmachtsgefühl: Die körperlichen Symptome von Panikattacken sind heftig und ebenso vielfältig. Du spürst eine Enge in der Brust, dein Körper zittert oder bebt, Magenschmerzen und Übelkeit treten auf, ein Taubheits- oder Kribbelgefühl steigt in dir auf und du verspürst abwechselnd Hitze- oder Kälteschauer. All dies sind Anzeichen dafür, dass sich eine Attacke angekündigt hat oder bereits in vollem Gange ist. Häufig sind es zwar nur zwei oder drei der genannten Symptome, die bei Panikattacken wie aus dem Nichts auftauchen, doch diese werden als so bedrohlich empfunden, dass du dich immer weiter hineinsteigerst, wie die folgenden Punkte dieses Teufelskreises aufzeigen.

2. Der Körper sagt: Du bist in Gefahr!

Je mehr Symptome auftreten und je heftiger sich diese äußern, desto extremer fallen deine Befürchtungen aus. Erhöht sich die Herzfrequenz spürbar, hast du Angst, einen Herzinfarkt erleiden zu können. Verspürst du hingegen ein Schwindelgefühl, ist die Ohnmacht deiner Meinung nach nicht mehr weit. Spätestens jetzt bist du in diesem Teufelskreis gefangen, da du die aufgetretenen Symptome als ernsthafte Gefahr bewertest. Du befürchtest zu ersticken, durchzudrehen, einen Schlaganfall zu bekommen und bist dir sicher, dass gleich deine letzte Stunde geschlagen hat. Dabei handelt es sich bei Panikattacken um Fehlinterpretationen. Natürlich müssen diese ernst genommen werden. Vor allem vor dem Ausbruch deiner ersten Attacke kann nur ein Arzt einschätzen, ob nicht doch reale körperliche Probleme vorliegen. Daher ist es auch verständlich, warum viele Angstpatienten zunächst hinsichtlich eines Herzinfarktes durchgecheckt werden.

3. Du bekommst es mit der Angst zu tun!

Es ist nachvollziehbar: Immer dann, wenn man davon ausgeht, einer großen Gefahr ausgesetzt zu sein, verspürt man Angst. So ist es hier auch. Dieses Gefühl sorgt dafür, dass die Symptome noch stärker werden. Dir ist nun so schwindelig, dass du dich kaum noch auf den Beinen halten kannst. In diesem Stadium kann es auch passieren, dass die Atemnot kaum noch auszuhalten ist und du beginnst, zu hyperventilieren. Daher sollten Panikattacken-Patienten auch immer eine Tüte griffbereit haben, um der Hyperventilation im Notfall entgegenwirken zu können.

4. Die Bestätigung: Die Angst ist berechtigt!

Jetzt gibt es für dich keinen Zweifel mehr: Diese Angst ist absolut berechtigt. Schließlich haben sich die Anzeichen für eine gefährliche Situation in kürzester Zeit multipliziert. Du bist der Meinung, dass du allen Grund dazu hast, Angst zu verspüren. In diesem Moment verwandelt sich diese Angst in eine reine Panik – und wieder einmal nehmen die Symptome weiter zu.

5. Alarmreaktion „fight or flight“

Im Jahr 1915 hat mit Walter Cannon ein Pionier in Sachen Stressforschung den Begriff „fight or flight“ salonfähig gemacht. Mit dieser Reaktion wird die rasche körperliche und seelische Anpassung in Gefahrensituationen als Stressreaktion beschrieben. In Bezug auf Panikattacken bedeutet dies, dass du versuchst, vor der unerträglichen Situation zu flüchten oder diese Gefahr zu bekämpfen. Damit wären wir wieder am Anfang des Teufelskreises: Es besteht bei Panikattacken nämlich keine reale Gefahr, vor der man flüchten oder die man bekämpfen müsste.

6. Die Angst vor der Angst wird zum ständigen Begleiter

Wer mit Panikattacken zu kämpfen hat, der weiß spätestens nach dem Abklingen der ersten Attacke, dass es eigentlich keinen Grund für diesen Zustand gab. Schließlich erkennt er ja, dass es ihm nach einigen Minuten wieder besser geht. Allerdings kann der Patient die heftigen körperlichen Symptome nicht verdrängen. Sie waren so schlimm, dass eine Angst vor der Angst entsteht. Dies führt in der Regel dazu, dass es in absehbarer Zeit einer weiteren Panikattacke kommen dürfte. Als noch schlimmer beziehungsweise im alltäglichen Leben einschränkender wird zumeist die Angst vor der Angst empfunden, da diese Phase länger anhält als die wenige Minuten dauernden Panikattacken selbst.

Wie die Eltern, so die Kinder? Ursachen von Panikattacken

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum du in deinem Leben gegen Panikattacken ankämpfen musst. Ganz grundsätzlich handelt es sich bei der Angst zunächst um ein erlerntes Verhalten, das sich bereits in Kindertagen im Kopf einnisten kann. Hierzu ein Beispiel: Ein Kind spaziert am Baggersee auf einem kleinen Steg umher. Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass der kleine Racker ins Wasser fällt und sich nass macht. Eine wirkliche Gefahr besteht nicht, weil Mama und Papa in der Nähe sind und der Steg nicht wirklich hoch übers Wasser hinausragt. Es ist höchstwahrscheinlich, dass das Kind irgendwann Augenkontakt zu den Eltern aufnimmt. Haben diese einen Ausdruck von Angst im Gesicht, wird das Kind unsicher, fängt vielleicht an zu weinen und fällt ins Wasser. Beäugen die Eltern den „Abenteuerdrang“ ihres Kindes mit lachenden Augen, fühlt es sich sicher und es passiert vermutlich gar nichts. Ergo: Über eine etwaige Angst des Kindes entscheidet nicht die Situation, sondern vielmehr die Reaktion der Eltern. Diese frühkindlichen Erfahrungen können sich fest im Unterbewusstsein verankern.

Allerdings können Panikattacken auch durch aktuelle Stresssituationen entstehen. Eine Trennung, der Tod eines geliebten Menschen oder der Verlust des Arbeitsplatzes tragen dazu bei. Wer zum Beispiel zu perfektionistisch denkt und handelt, ist ebenso anfällig für Panikattacken. Gesundheitliche Gründe (etwa eine Fehlfunktion der Schilddrüse), die Einnahme von Medikamenten und Drogen oder grundlegende psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Zwangsstörungen werden ebenfalls als Ursachen angesehen.

Tipps und Lösungen bei Panikattacken

Natürlich sind unzählige Life Hacks bekannt, die dabei helfen, den Ausbruch von Panikattacken kurzzeitig zu verhindern oder die in Notsituationen Abhilfe leisten. Du kannst dich mit dem Lösen von Kreuzworträtseln wunderbar ablenken, Stressbälle drücken, deine Wohnung putzen, ein angenehmes, wohlriechendes Bad nehmen oder dir ein Gummiband ums Handgelenk schnallen. All diese Tipps wurden von Patienten mehrmals getestet und in der Regel auch für gut befunden. Doch handelt es sich dabei um nachhaltige Lösungsansätze? Wohl kaum! Um Panikattacken für immer den Garaus zu machen, müssen die Probleme ganzheitlicher angegangen werden. Vieles hat mit einem Ungleichgewicht deiner Lebensweise zu tun. Nun ist es leicht gesagt, einen geregelten Tagesablauf zu empfehlen, dich gesund zu ernähren oder sportlich aktiv zu sein. Natürlich sollst du dich viel bewegen und täglich eine halbe bis eine Stunde am Tag in der herrlichen Natur aktiv sein (wobei Spaziergänge ausreichen). Doch bevor du dazu überhaupt bereit bist, müssen andere Maßnahmen getroffen werden – je nachdem, wie stark die Panikattacken dein tägliches Leben bereits beherrschen.

Schritt für Schritt Panikattacken hinter sich lassen

Es hilft nur eines: Du musst akzeptieren, dass die Angst und die Panikattacken ein Teil deines aktuellen Lebens sind. Du kannst diesem nur das Gleichgewicht zurückbringen, wenn du die Krankheit annimmst und mit Eigeninitiative dagegen angehst. Dazu gehört auch, dass du dich mit deinem Arzt über Therapiemaßnahmen austauschst. Auch dies kostet eine Menge Überwindung, da es einem oft peinlich ist, über Gefahren zu sprechen, die objektiv gar nicht da sind. Nimm dir aus diesem Grund nicht zu viel vor, sondern taste dich Schritt für Schritt an die Annahme der Panikattacken heran. Schreibe erst deine Gedanken auf (in Form eines Tagebuchs), spreche dann mit einer vertrauten Person oder direkt mit einem Arzt über deine Panikattacken. Höre auf dein Gefühl, denn dieses wird durch Panikattacken im Normalfall zunächst nicht beeinträchtigt. Nach deinem ersten Gespräch wirst du spüren, dass deine Mitmenschen diesem Problem offen gegenüberstehen oder es ähnlicher Form vielleicht schon am eigenen Leib erlebt haben.

Verhaltens- oder Konfrontationstherapie?

Grundsätzlich ist in Bezug auf Panikattacken alles hilfreich, was dir gut tut. Entspannungsübungen können ebenso hilfreich sein wie die oben genannten und austauschbaren Life Hacks. Je relaxter du in deinem Alltag bist, desto eher wirst du den Kampf gegen die Panikattacken gewinnen – oder zumindest in der Lage dazu sein, einen Arzt zu konsultieren. Je nach Schwere der Krankheit wird er dich an einen qualifizierten Therapeuten weitervermitteln, der mit dir etwa in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie arbeiten wird. Auch die so genannte Konfrontationstherapie, also sich bewusst in angstauslösende Situationen zu begeben, kann ein Lösungsansatz darstellen. Letztendlich muss aber ein Fachmann darüber entscheiden, welche Behandlung dir bei deinen Panikattacken am besten hilft, da Ursachen, Symptome und Empfindungen individuell unterschiedlich sind.

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